Der eigene Partner lebt in einer Entfernung von 300 oder 5.000 Kilometern? Für manche Menschen unvorstellbar, für andere die perfekte Form einer Partnerschaft. Auch Singles stellen sich die Frage, ob sie eine Beziehung mit einer großen räumlichen Distanz eingehen möchten oder nicht: »Wie weit stellen wir den Suchradius beim Online-Dating ein oder sollen wir den potentiellen Partner, den wir beim letzten Städtetrip kennengelernt haben, wirklich nochmal sehen – bei 500 Kilometer Distanz?«

In diesem Beitrag geht es darum, welcher Typ Mensch tendenziell eher eine Fernbeziehung eingehen – und welcher nicht. Zudem erfährst du, welche Vorteile und welche Nachteile es bei einer Fernbeziehung gibt und was man bei der Liebe auf Distanz beachten sollte.

Hintergründe, Daten und Fakten zu Fernbeziehungen

Laut des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung leben rund 12 Prozent der Paare in einer Fernbeziehung. Doch für welche Menschen kommt eine Fernbeziehung überhaupt in Betracht? Einen Alter- und Geschlechtsunterschied fand der Online-Dating Anbieter Zoosk in einer Studie heraus. Allgemein kommt eine Fernbeziehung für etwa 50 Prozent der befragten Singles demnach nicht in Betracht, für die andere Hälfte ist Liebe auf Distanz theoretisch vorstellbar.

Aufgeschlossen sind dabei vor allem Singles zwischen 18 und 24 Jahren, sie können sich häufiger eine Partnerschaft mit räumlicher Distanz vorstellen. Doch auch 40-59-jährige sind dem nicht grundlegend abgeneigt, nur ist der Anteil der Befürworter geringer als derjenige der jungen Erwachsenen.

Auch zwischen den Geschlechtern werden laut der Zoosk-Studie Unterschiede sichtbar: »30 Prozent mehr Frauen als Männer sind bereit, eine Fernbeziehung einzugehen. Männer suchen hingegen eher vor Ort nach der wahren Liebe – oder lassen sich besuchen.« Gründe für die Geschlechterunterschiede nennt die Studie dabei nicht.

Bist du der Typ für eine Fernbeziehung?

Frau Mann Augen zu Fernbeziehung

Ob eine Fernbeziehung gelingen kann hängt von vielen Faktoren ab – insbesondere von der eigenen Persönlichkeit und wie gut die Beziehung die Bedürfnisse beider Partner befriedigen kann: Wie häufig sehen wir uns, wer besucht wen, wie oft kommunizieren wir unter der Woche, wie gehen wir mit Eifersucht um …

Beispielsweise ist mehr freie Zeit unter der Woche für den einen ein großer Vorteil (mehr Zeit für Karriere, Freunde oder Hobbys), für den andere dagegen ein Nachteil (weniger Zeit für gemeinsame Aktivitäten, Kommunikation oder Zärtlichkeit).

So sollte jeder für sich selbst prüfen, ob seine Bedürfnisse und Wünsche in einer Fernbeziehung genügend befriedigt werden können. So ist es hilfreich sich die Vor- und Nachteile bewusst zu machen bevor man eine Fernbeziehung eingeht – und nicht vor lauter Verliebtheit beide Augen zu verschließen. Wobei das natürlich auch Grenzen hat: Sobald man verliebt ist, setzt ja bekanntlich der Verstand ein wenig aus – und Bedenken und mögliche Schwierigkeiten werden von den Hormonen wie weggeschwemmt.

Bindungsängstliche Menschen gehen häufig Fernbeziehungen ein.

Wer (unbewusst) Fernbeziehungen bevorzugt

Unabhängig vom Alter oder Geschlecht bieten Fernbeziehungen für manche Menschen Vorteile – die häufig im Unbewussten liegen. Zwei der Gründe, welche ich in meiner Praxis häufig erlebe, möchte ich dir hier vorstellen. Es kann hilfreich sein diese – möglicherweise bei sich selbst oder bei einem potentiellen Partner – zu kennen und zu verstehen. Welche Menschen wählen gerne einen Partner in der Ferne? Häufig sind es Menschen, die Nähe zu einer anderen Person weniger gut zulassen und sich in einer Partnerschaft nicht richtig fallen lassen möchten oder können.

Nähe und Geborgenheit kann für sie eine Bedrohung sein, auch wenn das auf den ersten Blick paradox klingen mag. Der »Gewinn« einer Fernbeziehung für bindungsängstliche bzw. bindungsvermeidende Menschen: Die Phasen der Nähe werden durch längere Zeiten der Distanz und Freiheit unterbrochen. So hat derjenige wieder mehr Zeit für sich, fühlt sich freier und unabhängiger, ist weniger verletzlich und zudem weniger emotional verantwortlich für den Partner. Das alles ist mehr der Wohlfühlmodus von bindungsängstlichen Menschen, schafft Sicherheit und lässt sie bei einer möglichen Trennung weniger tief fallen. Ob du möglicherweise Bindungsängste hast, findest du in meinem Bindungsangst-Test heraus.

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Auch Menschen, die Schwierigkeiten haben Grenzen zu setzen und vor anderen zu ihren Bedürfnissen zu stehen, bevorzugen gerne (bewusst oder unbewusst) Fernbeziehungen und verlieben sich daher häufig in jemanden, der weiter entfernt lebt. Unser Unterbewusstsein ist meist viel schlauer als wir glauben und leitet uns in vielen Bereichen durchs Leben. In unserem Beispiel führt es denjenigen zu dem Ziel, möglichst selten Grenzen setzen und Bedürfnisse formulieren zu müssen, was diesem – aus welchen Gründen auch immer – schwer fällt.

Eine Fernbeziehung hat gegenüber einer normalen Partnerschaft diesen Vorteil: Es gibt weniger gemeinsame Zeit, keine gemeinsame Wohnung, weniger Kompromisse, weniger Auseinandersetzungen, weniger herausfordernde Momente, selbst Grenzen zu setzen etc.

Das heißt jedoch nicht, dass alle Menschen in Fernbeziehung aus den genannten Gründen eine solche eingehen.

Die Vor- und Nachteile der Liebe auf Distanz

Grundsätzlich gilt bei Fernbeziehungen: Manche Menschen und Partnerschaften profitieren davon, machen überhaupt nicht. Fernbeziehungen – die Liebe auf Distanz – haben zwei Seiten, eine schöne und eine herausfordernde. 
Wichtig ist es demnach, sich diese Vor- und Nachteile bewusst zu machen, um besser mit Enttäuschungen umgehen zu können und die Vorteile auch als Nachteile zu erkennen. 
Schwierigkeiten könnten die folgenden sein:

  • Man muss viel und langfristig planen und je nach Entfernung ist dies auch ein finanzieller Faktor. 

  • Einsamkeit kann ein Thema sein. Betroffene sollten sich die Frage stellen, ob und wie sie damit einen guten Umgang finden können – eigenverantwortlich. 

  • Eifersucht und Unsicherheit spielt in vielen Fernbeziehungen eine Rolle. Man bekommt nur 
teilweise mit, was der Partner macht, fragt sich vielleicht auch, wie der Partner mit der selteneren Nähe und 
Sexualität umgeht
.
  • Kein Aufbau eines gemeinsamen Alltagslebens: Den Partner jeden Tag zu sehen, verbindet und 
schafft Vertrauen und das kann Menschen in einer Fernbeziehung fehlen. Man lernt den Partner nicht 
so umfangreich kennen, wie er im alltäglichen Leben auch ist – mit allen positiven und negativen Charaktereigenschaften. 

  • Es kann passieren, dass sich Paare mit der Zeit distanzieren. Darum ist es wichtig, den anderen am eigenen Leben teilhaben zu lassen, auch wenn es auch mal banale Dinge sind. Es gilt eine Balance der Kontakthäufigkeit zu finden, welche beide Partner zufrieden stellt.



Klienten berichten mir von folgenden Vorteilen 
einer Fernbeziehung:

  • Beide haben mehr Freiheiten, können unter der Woche ihren Hobbys nachgehen, sich mit ihren Freunden treffen oder sich auf ihre Karriere fokussieren.
  • Die Vorfreude auf den Partner ist größer, die Sehnsucht nach ihm steigt und die gemeinsame Zeit wird 
meistens bewusster gelebt.

  • Es gibt weniger Konflikte in der Alltagsgestaltung: Wer kocht, wer macht die Wäsche, wie wird die Wohnung eingerichtet oder die Freizeit am Abend gestaltet.
  • Die Gefahr einer Routine in der Partnerschaft ist geringer. 

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4 Tipps für den Umgang bei einer Fernbeziehung

  • Keine zu hohen Erwartung an das Wochenende stellen: Wenn Paare, die in einer Fernbeziehung leben, sich nur alle ein bis zwei Wochen oder gar Monate sehen, möchten beide eine schöne Zeit miteinander verbringen. Das ist verständlich. Dennoch sollten sie sich nicht überfordern oder zu hohe Forderungen an den Partner stellen. Jeder sollte auch mal durch schnaufen können, auch Auseinandersetzungen oder Diskussionen gehören mal dazu.
  • Wochenende für jeden alleine: Sich jedes Wochenende zu sehen, kann sehr anspruchsvoll sein. Manchmal ist es wichtig, auch mit Freunden ein Wochenende zu verbringen, oder für sich alleine.
  • Vereinbart einen festen Termin, bei welchem ihr telefoniert oder besser noch skypet. Dieser sollte nur in Notfällen verschoben werden – nicht ausfallen. Diese Verbindlichkeit gibt euch bewusst und unbewusst Sicherheit, dass ihr euch an diesem Termin austauschen könnt. Zudem kann es den Druck nehmen, jeden Tag zu telefonieren oder zu schreiben.
  • Lernt eure Bedürfnisse und die eures Partners kennen: Wie oft und auf welchem Weg möchtest du dich am liebsten austauschen? Wie ist es für deinen Partner? Erzählt euch gegenseitig von euren Vorlieben und findet einen Weg, der für euch beide passt. Notfalls eine Woche so und in der anderen anders.

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Was heißt das nun für dich? Ganz unabhängig von den eigenen Vorlieben, unbewussten Beziehungsmustern oder Studienergebnissen: Wohin die Liebe fällt, ist nicht planbar – meist kommt es eh ganz anders wie geplant oder gewünscht. In dem Sinne: Auf die Liebe, ob in der Nähe oder Ferne!

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