In diesem dreiteiligen Artikel (Teil 1, Teil 2, Teil 3) stelle ich eine Leseprobe meines Buches Beziehungsleben vor. Es ist ein Ausschnitt aus Kapitel 4 mit dem Titel »Das ärgert mich, macht mich wütend oder traurig«. In dem Buch geht es um Selbstverantwortung und wie es uns gelingen kann, selbst für eine erfüllende Partnerschaft zu sorgen – ohne unseren Partner verändern zu müssen.

In dieser Leseprobe dreht sich alles um Gefühle, unter dem Aspekt der Selbstverantwortung. Das erwartet dich: Wie entstehen Gefühle in uns und wer trägt die Verantwortung dafür? Wie kann es uns gelingen, weniger negative Gefühle zu haben und diese schneller wieder gehen zu lassen? Und was können wir tun, um uns emotional weniger ausgeliefert zu fühlen, anderen Menschen gegenüber oder in bestimmten Situationen?

Die Leseprobe 2/3 des Beziehungsratgebers »Beziehungsleben«

Julia hat heute drei Verabredungen und sie kommt zu jeder zu spät. Im erste Teil der Leseprobe hast du erfahren, wie das Treffen mit Katharina ablief. Die zweite Verabredung hat Julia Mittags mit Armin, ihrem Teamkollegen:

  • Der gleiche Auslöser: Julia kommt auch zu diesem Treffen zehn Minuten zu spät.
  • Das Gefühl von Armin: Er ist wütend.
  • Die Reaktion von ihm: Er herrscht sie an und hält es für eine Missachtung, dass sie zu spät kommt.

Schauen wir uns die dritte Situation an: Zum Abendessen hat sich Julia mit ihrem Partner Torsten verabredet. Wie reagiert er?

  • Wieder der gleiche Auslöser: Julia kommt noch einmal zu spät – darin ist sie wirklich zuverlässig.
  • Das Gefühl von Torsten: Er ist und bleibt entspannt.
  • Die Reaktion von ihm: Er freut sich, kurz Zeit für sich zu haben und begegnet Julia – als sie zehn Minuten später auftaucht – ohne Verstimmung. Die beiden verbringen einen schönen Abend.

Wer »macht« unsere Gefühle und Emotionen?

Du siehst an der Geschichte: Es gab dreimal den gleichen Auslöser – das Zuspätkommen – und drei völlig unterschiedliche Reaktionen und Gefühle! Jetzt stellt sich die Frage: Wer »macht« die Gefühle der drei? Kann Julia die Trauer in Katharina, die Wut in Armin und die Freude in Torsten »einpflanzen«?

Das ist unmöglich! Julia macht nicht die Gefühle der drei anderen. Katharina, Armin und Torsten entscheiden selbst, zunächst unbewusst und automatisch, wie sie auf diesen Auslöser, das Zuspätkommen, reagieren. In der Konsequenz heißt das: Jeder Mensch macht seine Gefühle selbst und ist verantwortlich für das, was er fühlt. Nicht das Außen macht unsere Gefühle, sondern wir selbst. Wenn das Außen sie machen würde, müssten alle drei gleich reagieren und fühlen. Zudem ist das Gefühl ja in uns, in unserem Körper und unserer Seele. Es entsteht in uns. Folglich können wir es nur selbst »machen«.

Das Außen ist »nur« der Auslöser. Der Auslöser oder Sender legt etwas an einer imaginären Grenze ab. Eine solche Grenze liegt stets zwischen Menschen, die miteinander kommunizieren. An dieser unsichtbaren Grenze legt der Sender etwas ab, zum Beispiel eine Aussage oder Handlung:

  • Etwas sagen – oder nicht
  • Etwas machen – oder nicht
  • Auf etwas reagieren – oder nicht
  • Gefühle zeigen – oder nicht
  • Gedanken aussprechen – oder nicht

Das Milchtütenmodell: Vom Sender und Empfänger

In einem Seminar habe ich dieses Modell den Teilnehmern ebenfalls vorgestellt. Als Symbol für das, was wir in der Mitte (also an der Grenze) ablegen, hatte ich keinen Gegenstand dabei. Ich suchte spontan nach einem Gegenstand im Raum und der erste, der mir in die Hände kam, war eine Milchtüte. Seitdem heißt das Modell das Milchtüten-Modell. Der Sender platziert etwas (beispielsweise eine Aussage, Handlung oder Geste) in der Milchtüte und legt diese an der Grenze zwischen sich und der anderen Person ab. Was er in die Milchtüte steckt, liegt in seiner Verantwortung. Sehen wir uns dazu verschiedene Reaktionsmöglichkeiten an:

> weiter zu Teil 3 (ob wir eine Freiheit haben, wie wir auf externe Auslöser reagieren)

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