In diesem dreiteiligen Artikel (Teil 1, Teil 2, Teil 3) stelle ich eine Leseprobe meines Buches Beziehungsleben vor. Es ist ein Ausschnitt aus Kapitel 4 mit dem Titel »Das ärgert mich, macht mich wütend oder traurig«. In dem Buch geht es um Selbstverantwortung und wie es uns gelingen kann, selbst für eine erfüllende Partnerschaft zu sorgen – ohne unseren Partner verändern zu müssen.

In dieser Leseprobe dreht sich alles um Gefühle, unter dem Aspekt der Selbstverantwortung. Das erwartet dich: Wie entstehen Gefühle in uns und wer trägt die Verantwortung dafür? Wie kann es uns gelingen, weniger negative Gefühle zu haben und diese schneller wieder gehen zu lassen? Und was können wir tun, um uns emotional weniger ausgeliefert zu fühlen, anderen Menschen gegenüber oder in bestimmten Situationen?

Die Leseprobe 3/3 des Beziehungsratgebers »Beziehungsleben«

Der Sender platziert etwas (beispielsweise eine Aussage, Handlung oder Geste) in der Milchtüte und legt diese an der Grenze zwischen sich und der anderen Person ab. Was er in die Milchtüte steckt, liegt in seiner Verantwortung. Sehen wir uns dazu verschiedene Reaktionsmöglichkeiten an:

Etwas Positives liegt an der Grenzen

Legt der Sender etwas an der Grenze ab, was der Empfänger selbst als positiv bewertet, kann dieser unterschiedlich reagieren:

  • Er kann freudig oder dankbar reagieren. Das wird ihm bei einem positiven Auslöser selbstverständlich leichter gelingen.
  • Oder er könnte theoretisch auch beleidigt oder traurig reagieren, was in diesem Fall natürlich sehr unrealistisch ist.

Was der Empfänger von der Grenze aufnimmt und wie er dementsprechend reagiert, kann der Sender nicht bestimmen, diese Macht hat er nicht!

Etwas Negatives liegt an der Grenzen

Legt der Sender etwas ab, was der Empfänger nicht mag, ist dieser ebenfalls frei in seiner Reaktion:

  • Er könnte beispielsweise verletzt, traurig oder wütend reagieren.
  • Oder er könnte gelassen, entspannt reagieren; selbstverständlich auch neutral.

Was der Empfänger von der Grenze aufnimmt, ist auch in diesem Fall seine – bewusste oder unbewusste – Entscheidung und Verantwortung. Der Sender kann dem Empfänger keine Gefühle und Reaktionen aufzwingen. Das erfordert viel Reflexionsfähigkeit und Schulung, besonders bei einem »negativen« Inhalt der Milchtüte. Einige Übungsimpulse findest du am Ende des Kapitels.

Unsere Reaktion auf bestimmte Situationen vollzieht sich meist in Millisekunden, völlig automatisch, und wir glauben, dass wir nichts dagegen tun können, nach dem Motto »Es passiert mit mir«. Dass wir folglich so reagieren müssen, weil der Sender etwas Schönes oder Schlechtes gesagt oder gemacht hat. In diesen Momenten fühlen wir uns nicht frei – frei zu entscheiden, wie wir reagieren möchten. Wäre es nicht schön, wenn du in solchen Situationen eine Entscheidungsfreiheit hättest? Das lässt sich üben. Voraussetzung ist: die Verantwortung für das zu übernehmen, was in dir passiert. Wenn die Verantwortung jemand anderes trägt, dann bist du ausgeliefert, ohne Einfluss darauf. Aber so ist es ja nicht! Denn das Gute ist, dass es Veränderungsmöglichkeiten gibt: Die Lösung liegt in dir.

Wer trägt nun die Verantwortung für das, was wir fühlen und wie wir reagieren?

Dieses Modell bringt häufig unsere bisherige Sicht und Wertung darüber durcheinander, wer unsere Gefühle bestimmt. Weg von der Schuldzuweisung an den lahmen Kassierer, die verspäteten U-Bahn oder die »dumme «Julia, hin zu mir selbst. Der U-Bahn ist es übrigens relativ egal, ob du sauer auf sie bist oder nicht.

Doch wir tragen nicht nur für unsere Reaktionen auf traurige oder verletzende Botschaften die Verantwortung. Wir reagieren auch auf Positives wie Komplimente, Geschenke oder Erfolge unterschiedlich: Stell dir vor, du macht mehreren Menschen das gleiche Kompliment: »Du bist hübsch!« Wie reagieren sie?

  • Susi freut sich wie ein kleines Kind. Nachdem es ihr in den letzten Monaten psychisch nicht gut ging, geht das Kompliment runter wie Öl. Strahlend bedankt sie sich.
  • Andreas, 15 Jahre alt, läuft rot an. Er will nicht hübsch sein. Keinesfalls. Sondern stark und männlich. Er wechselt gleich das Thema.
  • Uschi wird traurig und wütend. Sie möchte nicht immer nur auf ihren Körper und ihre Rundungen reduziert werden. »Niemand interessiert sich für mein Inneres und mich als Mensch. Schon wieder geht es um mein Aussehen, ich könnte kotzen.«

Auch bei diesem Beispiel wird deutlich, dass die Reaktion bei den Empfängern unterschiedlich ausfällt, bei gleicher Botschaft des Senders. Wenn ich von diesem Modell erzähle, ob auf Vorträgen oder in meiner Praxis, höre ich viele interessante Fragen. Im Folgenden vier der häufigst gestellten Fragen:

  • Frage 1) Gilt das Modell in allen Lebenssituationen?
  • Frage 2) Trägt der Sender nicht auch eine Verantwortung?
  • Frage 3) Warum reagieren wir alle so unterschiedlich?
  • Frage 4) Heißt das, dass ich meine Gefühle unterdrücken soll?

Die Antworten findest du in Buch, als Taschenbuch oder eBook :-)



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