Manche Menschen sind nach einer Trennung bereits nach ein paar Wochen über die Beziehung hinweg und haben sich vielleicht schon in jemand neuen verliebt. Andere sind über den Ex-Partner auch nach Monaten oder Jahren noch nicht hinweggekommen – gedanklich oder emotional. Warum ist das so? In diesem Beitrag möchte ich mögliche Gründe und Erklärung aufzeigen, warum der Zeitraum der Trennungsverarbeitung so unterschiedlich lange sein kann.

Dies ist Teil 1 des Artikels. > Hier geht es zu Teil 2.

1) Wer hat sich getrennt?

Eine Trennung ist meist für beide Partner schwierig und schmerzhaft. Derjenige, der sich trennt, hat jedoch mit dem Lösungs- und Trennungsprozess schon viel früher begonnen. Er hat zum Zeitpunkt der Trennung schon einen zeitlichen »Vorsprung«. Mit Fragen wie

  • »Möchte ich noch zusammen bleiben?«,
  • »Hat es Sinn, an der Beziehung zu arbeiten?« oder
  • »Liebe ich meinen Partner überhaupt noch?«

hat sich dieser schon länger beschäftigen können. Er ist schon wesentlich weiter im Prozess der Trennungsphasen.

Was häufig noch zentraler ist: Bei den Entscheidungen, die wir selbst treffen, haben wir Kontrolle und spüren Selbstwirksamkeit. Sobald jemand anderes über uns bestimmt und ohne unser Zutun eine Entscheidung trifft, gelangen wir schnell in ein Gefühl der Ohnmacht. Diese Hilflosigkeit schmerzt zusätzlich zum Verlust der Partnerschaft. Es ist auch in anderen Lebensbereichen so, dass wir den Kontrollverlust spüren: Es macht beispielsweise auch im Beruf einen Unterschied, ob wir den Arbeitgeber verlassen oder wir von diesem gekündigt wurden.

2) Trennungserfahrungen in der Kindheit

Die persönlichen Erfahrungen mit Trennungen in der Kindheit haben einen großen Einfluss darauf, wie wir mit diesen im Erwachsenenalter umgehen können. Besonders frühkindliche negative Trennungserlebnisse prägen uns. Beispielsweise die Trennung direkt nach der Geburt von der Mutter, wenn wir in den Brutkasten oder zu einer langen Untersuchung müssen. Auch spätere Trennungserfahrungen können Auswirkungen haben: der Tod des geliebten Haustieres, der Umzug des besten Schulkameraden in eine andere Stadt oder die täglichen Trennungen von unseren Eltern, wenn diese z.B. in die Arbeit fahren. Besonders prägt uns selbstverständlich eine dauerhafte Trennung bzw. Scheidung der Eltern.

Bei all diesen Trennungserfahrungen geht es vor allem darum, welche Unterstützung wir von unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen erhalten haben: Wurden wir ernst genommen, konnten wir unsere Gefühle ausdrücken, haben uns die Eltern Bewältigungsstrategien vorgelebt bzw. beigebracht. Je besser wir als Kind gelernt haben mit den kleinen und großen Frustrationen umzugehen, desto leichter können wir mit einer Trennung oder Scheidung als erwachsene Menschen zurecht finden.


3) Trennungserfahrungen als Erwachsene

Menschen, die schon mehrere schwierige Trennungen erlebt haben, fällt es in der Regel leichter darüber hinwegzukommen. Denn sie haben bereits erfahren, dass sie den Trennungsschmerz irgendwann überwunden werden; wie schwer die Zeit auch gewesen sein mag. Auch wenn die aktuelle Trennung wieder unglaublich schmerzt, hilft es sich an bisherige Erfahrungen zu erinnern: »Ich habe überlebt!« und »Ich bin dadurch persönlich gewachsen!« sind beispielsweise in meiner Trennungsberatung häufig ausgedrückte Gedanken.


Dies ist Teil 1 des Artikels. > In Teil 2 erfährst du weitere Gründe für die unterschiedlichen Dauer der Trennungsverarbeitung.

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