Fast die Hälfte aller Menschen geht einmal in ihrem Leben fremd: Ob einmalig bei einem sogenannten One-Night-Stand oder bei einer längerfristigen Sex-Affäre. Was für Auswirkungen kann ein aufgeflogener oder gebeichteter Seitensprung auf eine Beziehung haben? Dieser Beitrag möchte die wichtigsten Folgen zusammenfassen und dabei auch Unterschiede zwischen Mann und Frau aufzeigen. Grundlage sind verschiedene Studien aus den USA und Europa.

Bevor es los geht, die wohl wichtigste Auswirkung: Untreue ist der häufigste Trennungs- und Scheidungsgrund.

Wie Frauen und Männer unterschiedlich auf Seitensprünge reagieren

Reagieren Männer und Frauen unterschiedlich auf einen Seitensprung ihres Partners? Laut Dr. Ragnar Beer reagieren Frauen gereizter und wütender. Fast doppelt so viele Frauen wie Männer empfinden dem Partner gegenüber Hass und wollen ihn für den Seitensprung bestrafen. Nach seiner Studie ist das der einzige große Geschlechterunterschied.

Andere Studien zeigen noch einen weiteren signifikanten Unterschied zwischen den Geschlechtern: Für Frauen war es schlimmer, gefühlsmäßig betrogen zu werden, für Männer dagegen die Vorstellung, dass ihre Partnerin Sex mit einem anderen Mann hat. In einer Studie lautete dabei eine Frage: „Was würde Ihnen mehr Kummer machen: Sich vorzustellen, wie Ihr Partner leidenschaftlichen Sex mit jemand anderem hat oder sich vorzustellen, wie Ihr Partner eine tiefe emotionale Verbindung mit jemand anderem eingeht?” Die Forscher kamen ebenfalls zu dem Ergebnis: Männer befanden sexuelle Untreue als wesentlich verletzender, im Vergleich zu Frauen. Für diese war die emotionale Untreue schmerzlicher. Dabei konnten Faktoren wie kulturelle Konventionen oder die Erziehung zum größtenteils ausgeschlossen werden, sodass der Unterschied laut den Autoren wahrscheinlich evolutionär bedingt ist.

Psychische Auswirkungen eines Seitensprungs

Eine Vielzahl von Studien haben sich mit den psychischen Auswirkungen von Seitensprüngen beschäftigt und nennen unter anderem folgende negative emotionale Folgen: Gewalt in der Partnerschaft, Depressionen, akute Angstzustände und Selbstmordgedanken. Weitere Auswirkungen waren Vertrauensverlust, beschädigtes Selbstwertgefühl, gestörte Beziehungen zu anderen Menschen, wie beispielsweise den Kindern, Eltern oder Freunden sowie Finanzprobleme. Die getäuschten Partner sind darüber hinaus einem Wechselbad an Gefühlen ausgesetzt. Studien berichten von Wut, Niedergeschlagenheit, Angst bis Misstrauen und Eifersucht.

Dr. Ragnar Beer untersuchte ebenfalls, worunter Betrogene nach einem Seitensprung leiden. An der deutschen Studie nahmen 3334 betrogene Männer und Frauen teil. Im Folgenden zeigt sich der prozentuale Anteil an Ja-Antworten auf ausgewählte Fragen. Diese beziehen sich auf das Befinden in den ersten sechs Monaten nach Bekanntwerden des Seitensprungs:

  • Ich bin wütend auf meinen Partner”: 49% der Männer und 72% der Frauen.
  • Ich bin wütend auf die dritte Person” (der Liebhaber): 70% der Männer und 70% der Frauen.
  • Ich fühle mich schuldig, dass es zu diesem Seitensprung gekommen ist”: 50% der Männer und 38% der Frauen
  • Ich frage mich, wie mein Partner mich so hintergehen konnte”: 83% der Männer und 94% der Frauen
  • Ich habe Angst vor der Zukunft”: 68% der Männer und 69% der Frauen
  • Ich fühle mich traurig”: 90% der Männer und 93% der Frauen
  • Ich fühle mich wertlos”: 48% der Männer und 53% der Frauen
  • Gedanken und/oder Bilder drängen sich mir auf, in denen ich mir vorstelle, wie mein Partner mich betrügt”: 75% der Männer und 74% der Frauen

Auch andere Studienautoren betonen das gedankliche Wiedererleben. Sie fanden heraus, dass die meisten der getäuschten Partner nach dem Herausfinden des Seitensprungs von Beschwerden berichteten, welchen ähnlich denen einer Posttraumatischen Belastungsstörung sind und die Betroffenen destabilisiert, verunsichert und orientierungslos macht.

Ein aufgeflogener oder gebeichteter Seitensprung kann daher als ein kritisches und stressverursachendes Lebensereignis angesehen werden, welches das Bewältigungspotential von beiden Partnern stark herausfordert und auch überstrapazieren kann. So steht die Mehrzahl der Paare, in welcher einer der Partner untreu war, vor erheblichen psychischen Herausforderungen.

Literaturempfehlungen

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Sexuelle und sexualmedizinische Auswirkungen von Untreue

Neben den genannten psychischen Auswirkungen können Seitensprünge auch auf sexueller Ebene Folgen haben: Die sexuellen Erfahrungen mit einer dritten Person wurden von der Mehrheit der untreuen Personen zwar positiv bewertet und als bereichernd erlebt, wogegen der betrogene Partner extrem darunter leidet.

Ein Seitensprung kann zudem ein möglicher Verbreitungsweg von sexuell übertragbaren Krankheiten sein. Kondome finden in außerpartnerschaftlichen Sexualkontakten nicht oder nur inkonsistent Verwendung. So können diese Krankheiten in bestehende Partnerschaft hineingebracht werden.

Gibt es auch positive Auswirkungen bei Affären und One-Night-Stands?

Trotz den vielen negativen Effekten eines Seitensprungs berichten einige Forscher davon, dass motivierte und engagierte Paare das Trauma des Untreue überwinden können und im Zuge dessen persönliches Wachstum möglich ist. Dennoch können nur wenige Paare ihre Partnerschaft durch einen Seitensprung verbessern, die Mehrheit leidet unter den negativen Auswirkungen und braucht sehr viel Zeit, dieses Erlebnis zu verarbeiten.

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Quellen der Studien

  • Abrahamson, I., Hussain, R., Khan, A. & Schofield, M. J. (2012). What helps couples rebuild their relationship after infidelity? Journal of Family Issues, 33, 1494–1519.
  • Beer, R. (2011). Worunter Betrogene nach einem Seitensprung leiden. Verfügbar unter www.theratalk.de/studie_seitensprung_betrogene_wiedererleben.html.
  • Beer, R. (2012). Der Seitensprung und seine Folgen: Rache ist weiblich. Verfügbar unter www.sueddeutsche.de/leben/der-seitensprung-und-seine-folgen-rache- ist-weiblich-1.184249.
  • Bodenmann, G., Bradbury, T. & Madarasz, S. (2002). Scheidungsursachen und -verlauf aus Sicht der Geschiedenen. Zeitschrift für Familienforschung, 14, 5–20.
  • Brase, G. L., Adair, L. & Monk, K. (2014). Explaining sex differences in reactions to relationship infidelities: Comparisons of the roles of sex, gender, beliefs, attachment, and sociosexual orientation. Evolutionary Psychology 12(1): 73- 96.
  • Buss, D. M., Larsen, R. J., Westen, D. & Semmelroth, J. (1992). Sex differences in jealousy: Evolution, physiology, and psychology. Psychological Science, 3, 251-255.
  • Buss, D. M. (2000). The dangerous passion. New York: The Free Press.
  • Gordon, K. C., Baucom, D. H. & Snyder, D. K. (2004). An integrative intervention for promoting recovery from extra-marital affairs. Journal of Marital and Family Therapy, 30, 1–12.
  • Jellouschek, H. (2014). Warum hast du mir das angetan?: Untreue als Chance. 14. Auflage, München: Piper.
  • Schneider, J., Irons, R. & Corley, M. (1999). Disclosure of extramarital sexual activities by sexually exploitative professionals and other persons with addictive or compulsive sexual disorders. Journal of Sex Education and Therapy, 24, 277–287.
  • Træen, B., Holmen, K. & Stigum, H. (2007). Extradyadic sexual relationships in
    Norway. Archives of Sexual Behavior, 36, 55e65.
  • Træen, B. & Martinussen, M. (2008). Extradyadic activity in a random sample of Norwegian couples. Journal of Sex Research, 45, 319–328.


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  1. Till Kurbjuweit
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