»Marco war verzweifelt, sein Körper bebte leicht, seine Gesichtszüge waren fahl und seine Augen zeigten: Ich bin am Ende. Noch immer, obwohl es schon fünf Tage her war. Wobei fünf Tage nicht wirklich lange sind, nachdem was alles passiert war. Doch eigentlich war Verena diejenige, die mehr gelitten hat – vor allem über eine solchen langen Zeitraum. Das würde zumindest sie selbst zu ihrer Beziehung mit Marco sagen.«

Doch jetzt saß Marco mir alleine gegenüber in meiner Praxis und hoffe sehr, dass ich ihm aus dem Schmerz helfen könnte und ihm seine Verena wieder zurückbringen würde. Er berichtete mir – immer wieder unterbrochen von unterdrückten Tränen und einem Stocken in der Stimme, was alles passiert war.



Warum viele Beziehungen und Partnerschaften scheitern

Frau bedrückt

Die ersten Jahre waren schön für Marco und Verena, sie waren ein harmonisches Paar und beide fühlten sich geliebt und geschätzt. Doch dann veränderte sich die Partnerschaft langsam. Marco meinte, dass Verena immer mehr an ihm rum meckerte, ihn verändern wollte, »… ja, manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie will mich einsperren und zu ihrem braven Haustier machen wollte.«

Er wehrte sich dagegen, in dem er länger im Büro bliebt und emotional und körperlich auf Abstand zu ihr ging. Es folgten viele Beziehungsgespräche und Streitigkeiten. Beide kamen nicht wirklich weiter und die Disharmonie, Kälte und Missgunst nahmen einen immer größeren Platz in ihrer Beziehung ein.

Es folgte eine Affäre …

Um die Geschichte von Verena und Marco etwas abzukürzen: Verena begann während der Beziehungskrise eine Affäre und trennte sich einige Monate später von Marco. Und Marco kann es immer noch nicht fassen, dass sie gegangen ist, »…zu diesem schleimigen Typ in seiner Mercedes E-Klasse«.

Ja, solche Geschichten (die Namen sind natürlich verändert) habe ich in meiner Praxis häufig erlebt. Doch wie konnte es zu diesem Ende der einst glücklichen Beziehung kommen und wie hätten die beiden das verhindern können?


Gründe, warum Beziehungen scheitern

Es gibt unzählige Gründe, warum Partnerschaften und Ehen scheitern: Zu hohe Erwartungen, keine Zeit wegen der eigenen Kinder oder Stress im Job, keine gemeinsamen Interessen, Zukunftspläne oder Wertvorstellungen, unerfüllte Bedürfnisse, keine förderliche Kommunikationskultur oder eine unerfüllende Sexualität. Diese Liste lässt sich unendlich fortsetzen. Auch kommen meist verschiedene Faktoren zusammen, die zu einer Trennung führen. Es ist selten ein einzelner Punkt.

Doch der Beginn – und das zeigen auch Studien ist häufig ein Aspekt, der zu einer Abwärtsspirale führt:
Kein wirkliches Interesse am anderen ist einer der Nummer 1 Gründe, warum Beziehungen scheitern.

Ja, Missachtung und kein Interesse am Partner zu zeigen, ist eine der grundlegenden Ursachen, warum Paare in Krisen rutschen und häuft nicht mehr herauskommen.

Der Rucksack, ein weiterer Aspekt, warum Beziehungen scheitern

Zudem trägt jeder Mensch einen Rucksack mit all den unverarbeiteten Aspekte aus seinem Leben mit sich. Das Meiste davon kommt aus der Kindheit, anderes aus der Jugendzeit, traumatischen Erlebnissen oder negativen Erfahrungen in Beziehungen. Dieser Inhalt des Rucksackes bestimmt wesentlich, wie gut wir selbst Beziehungen führen können und auf welchen Partner wir treffen. In meinem Beziehungsratgeber Beziehungsleben habe ich das ausführlich beschrieben und begleite die Leser darin, die eigenen Rucksack-Inhalte zu verstehen und anschließend zu verwandeln – um nachhaltig erfüllende Beziehungen zu führen.

Was bei Verena und Marco zum Ende geführt hat

Das sinkende Interesse am anderen, der innere Rückzug und was Warten auf die Veränderung beim anderen waren auch bei Marco und Verena eine der Hauptursachen der Krise. Marco zeigte in keine Form Interesse an Verena oder an ihren Bedürfnissen, Gefühlen, Wünschen – ja, eigentlich an ihrem gesamten Leben. So nahm sie es zumindest wahr.

Und auch Marco hatten nicht den Eindruck, dass sich Verena für ihn interessierte. Nie dachte sie daran, dass er am Samstagmittag immer ungestört vor dem TV sitzen möchte, er hörte keine Komplimente mehr zu seinen beruflichen Erfolgen und er fühlte sich in vielen Alltagssituationen nicht beachtet.

Liebe mich dann, wenn ich es am wenigsten verdiene, weil ich es dann am meisten brauche.

In solchen Abwärtsspiralen gibt es meist nicht den einen ausschlaggebenden Moment, der den Stein ins Rollen bringt. Vielmehr bedingen sich beide Verhaltensweisen und unterstützen sich dann auf dem Weg in die Krise.

Somit haben beide – wie bei fast allen Beziehungskonflikten – ihren 50-prozentigen Anteil dazu beigetragen. Die Schuld (oder eher die Verantwortung) trägt nie nur einer, das geht in einer Paarbeziehung nicht!


3 Punkte, wie du diese Abwärtsspirale verhinderst

Wenn es eine Ursache der Beziehungskonflikte gibt, gibt es Lösungen. Das ist das Schöne an meiner Arbeit: Es gibt immer eine Lösung, auch wenn wir sie nicht gleich sehen und manchmal auch viel Zeit, Energie und Einsatz benötigt, um sie zu erreichen. Was kannst du also konkret machen, damit deine Beziehung nicht scheitert, sondern langfristig für euch beide erfüllend ist:


Tipp 1: Wirkliches Interesse zeigen

Frau bedrückt

Interessiere dich für deinen Partner, sein Gefühlsleben, seine Wünsche, seine Träume – oder auch, was ihm gerade im Leben fehlt. Voraussetzung ist natürlich, dass es ein echtes Interesse ist – und nicht eine nur widerwillig umgesetzte Aufgabe.

Erinnere dich zum Beispiel daran, als du frisch verliebt in deinen Partner warst. Was hat dich damals an ihm interessiert, wie hast du dich im gegenüber verhalten und wie hast du Wertschätzung, Anerkennung, Liebe und Dankbarkeit ausgedrückt.

Versetzte dich in dein damaliges »verliebtes Ich« und verhalte dich heute einmal genauso. Dein Partner wird überrascht sein – und eure Beziehung wird wahrscheinlich sehr davon profitieren.


Tipp 2: Selbst in die Verantwortung gehen

Der zweite wesentliche Aspekt, damit du diesen Fehler in deiner Beziehung vermeidest, ist die Eigenverantwortung. Die Verantwortung, dass nur du für dein Lebensglück und deine Zufriedenheit verantwortlich bist. Nicht dein Partner oder sonst wer ist das, auch wenn wir in Märchen, Hollywood-Filme oder der Werbung häufig das Gegenteil erleben und dann glaube, dass der Partner dafür da ist, dass es mir gut geht.

Eine Partnerschaft sollte die Sahnehaube eines erfüllenden Lebens sein und nicht das Fundament.

Erkenne also, dass nur du verantwortlich für dein Lebensglück bist. Je mehr du diese Verantwortung auch übernimmst, desto weniger schiebst du davon – meist unbewusst – auf deinen Partner ab. Das kann er natürlich nicht erfüllen und führt auf beiden Seiten zu Frustration und Rückzug. In meinem Beziehungsratgeber Beziehungsglücklich findest du viele praktische Alltags-Tipps, wie dir und euch das gelingen kann.

Die Lebenszufriedenheit speist sich dabei aus vielen Bereichen: Der Gesundheit, dem Freundeskreis, dem Job, den Zielen und dem Lebenssinn – und zu einem Teil aus einer Beziehung. Jedoch nur zu einem Teil! Sich immer wieder daran zu erinnern, hilft die Erwartungen an den Partner realistisch einzuschätzen und nicht in die Übererwartung – und damit häufig verbunden der Enttäuschung – zu kommen.

75 Box Beziehungsglücklich

Kennst du die 27 Geheimnisse einer glücklichen Beziehung?

Führe mit diesem Beziehungsratgeber die Partnerschaft, welche du dir erträumst. Mit hilfreichen Tipps und praktischen Übungen.

> Ja, ich möchte eine erfüllende Beziehung

Tipp 3: Wirklich lieben

Lieben ist ein Verb! Das bedeutet: Es ist nichts Passives wie z.B. das Atmen, bei dem du einfach nichts tun musst und es passiert trotzdem. Denn lieben ist etwas Aktives. Die Liebe muss von beiden Partnern gefüllt werden, es ist Arbeit! Ja, eine langfristig erfüllende Beziehung bedeutet Bereitschaft, Einsatz und Arbeit für beide.

Es geht bei diesem Punkt vor allem darum, dass du das erkennst und es in jeder Zelle deines Körpers ankommt: Es geht nicht darum zu Erwarten, dass der Partner etwas gibt. Es geht darum zu geben – gerade auch dann – wenn der Partner nichts macht oder eben nicht das macht, was ich gerade eigentlich möchte.

Es geht um das Geben. Nicht um das Nehmen. Das Nehmen ist erst der zweite Schritt.

Wenn du und dein Partner verstanden haben, dass Lieben ein aktives Tun ist und man selbst den ersten Schritt dazu machen muss, dann wird eure Beziehung auf jeden Fall erfüllender. Außer, wenn nur einer die gesamte Beziehungsarbeit übernimmt. Das kann man eine Weile funktioniere, aber nicht auf Dauer. Es bedarf also die Bereitschaft und das Tun von beiden!

Extrem hilfreich ist es dabei, wenn ihr beide herausfindet, wann ihr euch jeweils vom anderen geliebt fühlt und euch darüber austauscht.


Zurück zu Marco und Verena und was du jetzt konkret tun kannst

Für Marco kamen diese Erkenntnisse leider zu spät, denn Verena bleibt bei ihrem neuen Partner. Doch diese schmerzhafte Erfahrung für ihn hatte auch etwas Gutes: Er war – über diesen Schmerz – bereit und offen für diese Gedanken, er war bereit persönlich zu wachsen, seinen Rucksack anzuschauen und zu erkennen, dass das Interesse, Aufeinander eingehen und der Austausch in einer Beziehung notwendig sind und der Weg des Rückzugs und Desinteresses niemand hilft.

Was möchtest du davon umsetzen?

Was kannst du jetzt mit diesen Erkenntnissen konkret machen?

  1. Notiere dir, was am wichtigsten für dich war, welche Erkenntnis du dir auf jeden Fall merken möchtest.
  2. Überlege dir, was du konkret von den 3 Tipps in den nächsten Tagen umsetzen wirst.
  3. Spreche mit deinem Partner über das Thema »Desinteresse, Missachtung, Rückzug« und interessiere dich für seine Sicht.


Soweit meine Gedanken dazu. Ich wünsche dir eine Beziehung, die dir jederzeit ein Lächeln ins Gesicht zaubert!

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