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Zwiegespräche: Wie Kommunikation in Beziehungen gelingen kann

Kennst du Zwiegespräche? Sie sind eine wundervolle Gesprächsmethode für Paare, egal ob sie schon seit kurzem zusammen sind oder die Partnerschaft oder Ehe schon viele Jahre dauert. Diese Methode wird immer bekannter und immer mehr Paare nutzen diese Art des Austauschs und der Kommunikation, um langfristig eine erfüllte, glückliche und harmonische Partnerschaft zu leben. Entwickelt wurden die Zwiegespräche vom deutschen Psychotherapeut und Autor Michael Lukas Moeller. Insbesondere, wenn ein Partner schweigt und mauert, eignet sich diese Gesprächsmethode.

In diesem Beitrag erfährst du, wie die Zwiegespräche funktionieren, was sie bewirken und was es zu beachten gilt.

Die Regeln von Zwiegesprächen

Die Zwiegespräche folgen einer klaren Struktur, die wichtig ist einzuhalten. Sie klingt anfangs etwas streng, doch genau auf dieser klaren Struktur fußt der Erfolg dieser Paar-Kommunikation.

  • Die Gesamtdauer von einem Zwiegespräch beträgt 1,5 Stunden.
  • 15 Minuten spricht der eine Partner, danach der andere. Dieser Wechsel geschieht 3 Mal, sodass jeder der Partner 3 Mal für 15 Minuten dran ist.
  • Nutzt einen Wecker für die Zeit.
  • Wenn einer – und das ist nicht unüblich – schneller fertig ist als die 15 Minuten dauern, dann schweigt er (der andere sowieso). Erst wenn der Wecker klingelt, wechselt ihr.

Inhaltliche Regeln

Neben der klaren zeitlichen Struktur gibt es einige Aspekte hinsichtlich der Art und Weise eurer Kommunikation zu beachten:

  • Fokus: Während der 15 Minuten spricht nur der, der dran ist. Der andere sagt kein einziges Wort.
  • Reaktion: Der Zuhörer reagiert nicht, weder mit Worten oder Kopfschütteln, noch mit anderer Mimik oder Gestik.
  • Antworten: Nach dem Wechsel bezieht sich der Zuhörer nicht inhaltlich auf das, was der Redner vorher gesagt hat. Er erzählt von sich und was die Aussagen in ihm ausgelöst haben.
  • Aussagen: Sprecht ausschließlich in der Ich-Form, was in euch passiert.
  • Rückmeldung: Niemand stellt Fragen, niemand gibt Rückmeldungen oder Ratschläge.

Terminfindung für das Zwiegespräch

Dies ist ein weiterer wichtiger Faktor für das Gelingen dieser Paar-Gespräche. Insbesondere für das Unterbewusstsein spielt es eine wichtige Rolle, sich auf deren Einhaltung verlassen zu können.

  • Regelmäßigkeit: 1x pro Woche am selben Tag zur gleichen Zeit.
  • Ruhe: Telefon aus, die Kinder sind versorgt …
  • Ausnahme: Wenn ihr zeitlich nicht könnt, wird rechtzeitig ein Ausweichtermin definiert.
  • Zusammen: Beide achten auf die Regeln und Termineinhaltung, die Verantwortung tragen beide.

Welche Schwierigkeiten und Widerstände auftreten können

Der Autor beschreibt in seinem Buch Die Wahrheit beginnt zu zweit, dass es völlig üblich ist, dass Paare anfangs etwas orientierungslos sind. Diese Art der Kommunikation ist neu und anders, als es die meisten Menschen bisher kennen. Das alles zu lernen, insbesondere nicht gleich auf die Aussagen des Partners zu reagieren ist ein Prozess. Nach seiner Erfahrung, und diese deckt sich mit meiner, schwindet diese Orientierungslosigkeit innerhalb der ersten 10 Gespräche. Das bedeutet: dran bleiben!

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Zudem benennt er, dass sich verschiedene Widerstände zeigen. Diese zu kennen ist hilfreich, um sich nicht von ihnen hinters Licht führen zu lassen. Zum einen kann sich ein Widerstand darin zeigen, dass wir das Zwiegespräch am liebsten ausfallen lassen möchten – um uns vor dem möglicherweise emotionalen oder unangenehmen Gespräch zu drücken.

Des Weiteren zeigen sich Widerstände darin, die Grundordnung der Zwiegespräche zu verändern. Etwa die Regelmäßigkeit, Dauer und Gesprächsführung anzupassen, damit es für einen selbst angenehmer ist. Das bewährt sich jedoch höchstens für geübt »Zwiegesprächler«. Eine weitere Herausforderung ist die folgende: Ich habe die Erfahrung mit Klienten gemacht, dass Ängste eine Rolle spielen. Einerseits die Sorge davor, wie und insbesondere was der Partner mir erzählen wird. Andererseits gibt es häufig eine Angst vor sich selbst: sich zu zeigen, sich möglicherweise »nackig zu machen« oder es nicht richtig zu machen … Diese Ängste schwingen oft unbewusst mit und möchten, wenn sie existieren, dem Zwiegespräch entkommen.

Diese Widerstände zu kennen, nimmt ihnen einen Großteil der Kraft und Macht und wir können uns bewusst dagegen wehren.

Was die Zwiegespräche für Liebesbeziehungen bewirken

Was dich sicherlich interessiert ist die Frage: »Was bringen Zwiegespräch?« Diese Paar-Kommunikation garantieren sicherlich nicht, dass jedes Paar eine Beziehung, die kurz vor dem Ende steht, retten kann und verhindert damit nicht garantiert eine Trennung. Wenn das Zwiegespräch als letzter Versuch unternommen wird, die Partnerschaft zu retten, kann dieses keine Wunder bewirken. Daher eignen sich diese Gespräche insbesondere als Investition in die Zukunft der Partnerschaft. Dafür sind die Zwiegespräche umso mächtiger und stärker. Wenn Paare schon vor großen Beziehungskrisen damit begonnen haben, werden sie weniger Krisen erleben und diese besser bewältigen können.

Einerseits profitiert jeder persönlich davon, andererseits kann die Partnerschaft bei einer Befolgung der Kommunikations-Regeln profitieren. Diese Verbindlichkeit ermöglicht, dass wir bewusst und unbewusst wissen, dass es in spätestens 7 Tagen eine Möglichkeit gibt, unserem Partner an unseren Gedanken teilhaben zu lassen. Was Zwiegespräche unter anderem ermöglichen:

  • Wir lernen uns selbst besser kennen, können uns besser reflektieren und lernen bei uns zu bleiben.
  • Wir erhalten die Möglichkeit unseren Partner nochmals neu kennenzulernen.
  • Wir bekommen Zeit, uns selbst zu spüren – und gleichzeitig im Kontakt mit unserem Partner zu sein.
  • Nähe und Verbundenheit anstelle von Entfremdung, Ignoranz und Distanz.
  • Richtig zuhören und präsent sein anstelle von Vorwürfen und einer negativen Kommunikationskultur.
  • Beziehungen werden lebendiger, freier, schöner, authentischer …

Du möchtest die Zwiegespräche kennenlernen – aber dein Partner?

Etwa 80 bis 90 Prozent aller Beziehungsratgeber werden von Frauen gekauft und gelesen. Männer hinken da deutlich hinterher. Somit ist es etwas völlig Übliches, dass meist einer der Partner von den Zwiegesprächen hört, diese gerne ausprobieren möchte und sich häufig fragt: Und wie frage ich jetzt meinen Partner? In seinem Zwiegespräche-Buch beschreibt Michael Lukas Moeller einen Beispielsatz, um den Partner zu fragen:

»Hier ist eine Idee: Zwiegespräche. Dazu gibt es auch was zu lesen. Mir gefällt es. Ich wünsche mir, dass wir so miteinander sprechen könnten. Wenn du das in Ruhe durchgelesen hast und auch gut findest, können wir uns ja gemeinsam hinsetzen und überlegen, ob und wie wir das machen.«

Wie klingt das? Ich finde es eine klar und offene Herangehensweise, deinen Partner ein Zwiegespräch vorzuschlagen. Wenn dich das Buch der Zwiegespräche interessiert, hier kannst du es ansehen und kaufen. Darin werden noch viele wertvolle Tipps für die Herangehensweise und viele Beispiele aus der Praxis des Autors geschildert. Viele Paare, welche ich begleite, habe von dieser Methode und dem Buch sehr profitiert.

Hast du oder ihr Lust auf die Gespräche? Dann wünsche ich euch viel Freude dabei.

> Buchtipp »Zwiegespräche, die Wahrheit beginnt zu Zweit«

Wieland Stolzenburg

Wieland Stolzenburg ist Beziehungspsychologe und Bestseller-Autor aus München. Er unterstützt Menschen dabei, erfüllende Beziehungen zu führen, Bindungs- und Verlustängste zu überwinden und Trennungen zu verarbeiten. Wieland ist häufiger Interview-Gast in ARD, ZDF, Stern oder FOCUS Online. > Mehr über Wieland

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Dieser Beitrag hat 8 Kommentare

  1. Verena

    Wenn ich mit meinem Partner in ein Zwiegespräch gehe und dabei so emotional werde, dass ich weinen muss. Wie kann er darauf reagieren? Muss er meine Emotionen aushalten und ich im Gegenzug damit alleine zurecht kommen? Oder ist es „erlaubt“ bei diesem Gespräch körperlichen Kontakt zu haben… die Hand zu nehmen und zu halten/streicheln, um zu vermitteln dass er für mich da ist? In den Arm nehmen?

    Die 15 Minuten „allein-gesprächs-zeit“… Können die auch meine Erlebnisse der Woche unabhängig von meinem Partner beinhalten? Oder beziehen sich die 3×15 min ausschließlich auf die Beziehung und was ich dabei gefühlt habe…?

    Vielen Dank schon mal für die Antwort

    LG

    1. Hallo Verena, tolle Fragen zu den Zwiegesprächen, danke dafür!

      Die Regeln sind Vorschläge und müssen nicht 1 zu 1 umgesetzt werden. Klar, er kann in solchen Momenten deine Hand halten oder dich in den Arm nehmen und trotzdem dir das Wort lassen.

      Deine Redezeit kannst du so füllen, wie du möchtest. Du kannst von der Arbeit erzählen oder schweigen oder von Beziehungsthemen berichten. Was für dich in dem Moment wichtig ist.

      Liebe Grüße Wieland

  2. Kattel

    Gibt es möglichweise noch Tipps, wie ich mit meinen Partner ins Zwiegespräch kommen könnte, wenn er schon an Schritt 1 stockt? Also ich habe ihm diese Idee wie oben beschrieben vorgeschlagen.. Aber er sagt auf Nachfrage, ob er schon Zeit hatte sich eine Meinung zu bilden ausweichend „nein noch nicht“… leider ist er auch jemand der gern schweigt.. flüchtet.. ich verliere langsam die Kraft immer diejenige zu sein, die die Dinge vorantreibt. Er sieht dort wo ich Probleme sehe, keine.. spielt herunter… Er läuft nur mit. Wie ein großer 45 jähriger Teenager…

    1. Hallo Kattel, danke für deinen Kommentar. „Wie ein großer 45 jähriger Teenager…“ Da musst ich kurz schmunzeln :-) Das ist schwierig, ihn von etwas zu überzeugen, was er nicht möchte, Angst davor hat, keine Lust … Von der Ursache hängt es ab, was du ausprobieren könntest. Du könntest ihn vielleicht mal fragen, was passieren müsste, damit er bereit ist die Zwiegespräche auszuprobieren und ob du selbst etwas dazu beitragen kannst? Viele Grüße Wieland

  3. Isabella

    bin singel es würfe dann also ziemlich eintönig werden und auch komisch wenn ich mit nach 15 min slevst widerspreche bzw sage was ich empfinde über das was ich mir selbst sagte…

    1. Hallo Isabelle, haha, das stimmt :-) Wobei es auch mal einen Versuch wert wäre, das alleine zu machen… Viele Grüße, Wieland

  4. Ursula

    Danke für diesen Impuls. Mein Partner und ich praktizieren die Zwiegespräche seit Jahren regelmäßig, allerdings kürzer und 2 mal pro Woche. Das ist die Form die für uns gut passt und die wir durch eine Krise in den letzten beiden Jahren als positiv und hilfreich wahrgenommen haben. Ich denke die Zwiegespräche helfen bei den Gefühlen zu bleiben, nicht auszuweichen, dem Partner die ganze Aufmerksamkeit zu schenken, intensiv zu lauschen und dasselbe auch vom Gegenüber geschenkt zu bekommen. In dieser Zeit kann ich über alle meine Gefühle sprechen ohne unterbrochen zu werden und mit der Zeit färbt dieses Verhalten auch auf alltägliche Situationen ab. So haben die Gespräche durch lange Übungspraxis eine weitreichende Wirkung und wir sind stolz auf uns, dass wir dran bleiben und dankbar für die heilsame Wirkung auf uns und unsere Partnerschaft.

  5. Berenike

    Also die Frage , ob ich die Zwiesprache kenne, beantworte ich mit einem klaren JA, da wir sie regelmäßig seit über 5Jahren praktizieren, immer am gleichen Tag, zu etwa der gleichen Uhrzeit. Nach 2Jahren haben wir die Abfolge für uns etwas modifiziert! Also, ich halte die Zwiesprache für sehr hilfreich und zwar für jede Partnerschaft, Moeller sagt, dass sie in ihrer positiven Wirkung erst so richtig nach einem Jahr spürbar wird und wir erleben, mit jedem weiteren Jahr bildet sich eine tiefe und tragende Beziehungs-Substanz!! Ich halte es für sehr förderlich, dass Du diese Praxis bekannt machst!
    Michael Lukas Moeller ist übrigens schon verstorben.