Auf dem ersten Singlesymposium in Deutschland durfte ich einen Vortrag halten und einen Auszug davon stelle ich hier vor. Es geht um mögliche Gründe, warum es immer mehr Singles gibt. Aktuell leben in Deutschland rund 11 Millionen Singles – mit steigender Tendenz.

Es geht also um die freiwillige Beziehungslosigkeit. Finden die Menschen keinen Partner, möchten Sie keine Beziehung eingehen oder wie kommt es dazu? Ein Erklärungsansatz. Und am Ende eine Frage für alle, die gewisse Sorgen und Ängste vor einer Beziehung und Bindung haben.

Gesellschaftlicher Wandel & verändertes Rollenverhältnis

Durch den gesellschaftlichen Wandel sowie das veränderte Rollenverhältnis zwischen Frauen und Männer hat sich die Grundlage für viele Menschen wesentlich geändert, wann und warum sie eine Beziehung eingehen:

  • Es ist kein Makel mehr alleine zu leben, den gesellschaftlichen Druck mit 30 Jahren schon verheiratet zu sein und Kinder zu haben, gibt es fast nicht mehr
  • Eine Scheidung ist aus gesellschaftlicher Sicht keine schlimme Sache mehr und schon normal (was natürlich nicht heißt, dass es für die Betroffenen auf persönlicher Ebene eine schwere Zeit ist)
  • Frauen sind nicht mehr finanziell abhängig von Männern, wie das noch vor nicht allzu langer Zeit war

So gibt es immer weniger Menschen, die wie früher aus existenziellen, moralischen oder gesellschaftlichen Gründen eine Beziehung eingegangen sind. Diese Gründe sind weggefallen und werden in Zukunft auch noch weiter wegfallen.

Fokus auf die eigene Karriere

Eine weitere Ursache ist der starke Fokus auf die eigene Karriere. In unserer Leistungsgesellschaft werden vor allem erfolgreiche Menschen als gut und wertvoll angesehen. Den eigenen Selbstwert kann man so besser aufbauen, als mit einer guten Beziehung. »Ich bin jetzt schon mit 38 Jahren Vorstand, verantworte 13 Millionen Euro Budget und fliege jede Woche durch die Welt« ruft bei mehr Menschen größere Bewunderung hervor, als »ich bin ein toller Partner und wir führen eine glückliche Beziehung«. Und viele Menschen fokussieren sich bewusst oder unbewusst auf solche Dinge, welche ihren Selbstwert am besten steigern…

Schnelle Beziehungsaufgabe

Ein Ehepaar, welches schon 65 Jahre verheiratet ist, wurde nach ihrem Erfolgsrezept für die lange Partnerschaft gefragt. Die Frau antwortete darauf hin: »Wir wurden in einer Zeit geboren, in der man kaputte Dinge reparierte, anstatt sie wegzuwerfen«. Dieses Zitat bringt schön auf den Punkt, was sehr häufig bei jungen Menschen geschieht: Statt sich den Problemen zu stellen und versuchen die Konflikte zu lösen, nehmen viele Menschen den vermeintlich einfachen Weg: die Beziehung zu beenden.

Der Beziehungsspiegel

Das bekannte Zitat »Beziehung ist der Spiegel, indem wir uns selbst sehen, wie wir sind« beschreibt einen weiteren Grund, warum viele Menschen keine Beziehung mehr eingehen möchten. Durch den nahen Kontakt kommen bei allen Menschen nach gewisser Zeit Eigenschaften zum Vorschein, welche sonst verborgen bleiben – eben auch Schwächen, Verletznge, Ängste … Und diese werden uns durch den Partner gespiegelt. Und wenn wir diese unliebsamen Seiten an uns nicht sehen und die damit verbundenen (häufig negativen) Gefühle nicht spüren möchten, ist der einfachste Weg die Beziehung zu verlassen und Single zu werden. Dann gibt es keinen Spiegel mehr und alles ist vermeintlich gut – bis vielleicht in der nächsten Beziehung das Gleiche wieder geschieht.

Schlechte Beziehungserfahrungen

In Partnerschaften gibt es zwei Seiten: die schöne und leicht und die schweirige und verletzende. So erleben Menschen in Beziehungen eben auch Negatives: ob ständige Streitigkeiten, Einengung, Gewalt oder Affären. Und auf der anderen Seite sind Trennungen häufig mit unendlicher Trauer, Schmerzen, Einsamkeit und Hilflosigkeit verbunden. Diese beiden Erfahrungen führen bei vielen zu dem Schutzmechanismus diesen Schmerz nicht mehr erleben zu wollen. Und am einfachsten geht das indem man einfach Single bleibt. Dieses Thema ist auch eine der häufigsten in meiner Singleberatung.

Eine Frage, über die es sich lohnt nachzudenken …

Manche der genannten Gründe sind verständlich und völlig normal. Doch sobald aus Ängsten langfristig keine Beziehung mehr eingegangen wird, kann es helfen, diese Sorgen genauer kennezulernen: Mit Freunden sprechen, alte Beziehungen abschließen und die Trennung wirklich überwinden oder auch professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Und sich vorzustellen, man ist 90 Jahre alt und schaut auf sein Leben zurück und fragt sich: »War es gut, dass ich dieser Angst vor Beziehungen, zu viel Nähe oder Verlustängsten ausgewichen bin oder wäre es besser gewesen mich ihr zu stellen?« Oder aus der heutigen Perspektive gefragt: »Wie sieht mein zukünftiges Leben wohl aus, wenn ich mich diesen Sorgen nie stellen würde?«
Viel Freude beim Herausfinden der Antwort!


.

.

Hat Dir der Beitrag gefallen? Ich freue mich über Deine Bewertung!

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne 3,55 von 5 Punkten (Bewertungen: 31)

Artikel, die andere Leser gelesen haben

Schlagworte in diesem Artikel

, , , , , , , ,

7 Kommentare von anderen Leserinnen und Lesern

Weiter unten kannst Du selbst einen Kommentar hinterlassen!

  1. Mick
  2. Genov
  3. r. schneider
  4. Kevin B.

Wie ist Deine Erfahrung mit dem Thema? Ich freue mich über Deinen Kommentar!