Sicherlich kennen das jeder: eine Trennung und die drauf folgende Achterbahnfahrt an Gefühlen: von Wut, Trauer, Enttäuschung, Angst bis hin zur Erleichterung sind wir vielen verschiedenen Gefühlen ausgesetzt. Wie wir eine Trennung erleben und damit umgehen hängt dabei von vielen Faktoren ab: habe ich mich getrennt oder sich der Partner von mir. Ist es die Trennung der ersten großen Liebe oder habe ich schon mehrere durchlebt? Was für eine Rolle spielten Trennungen in meiner Kindheit und wie gut komme ich mit mir zurecht und „liebe mich selbst“?

In der Trennungszeit ist es hilfreich zu wissen, welche Phasen es gibt – und vor allem die Sicherheit: nach einer gewissen Zeit geht es immer wieder Bergauf, garantiert! In diesem Beitrag beschreibe ich die vier Trennungsphasen, welche in der Regel durchlaufen werden. Die Reihenfolge kann variieren, wie auch die Dauer und Intensität der einzelnen Phasen bei jedem Menschen unterschiedlich sein können.

Am Ende möchte ich noch einen hoffentlich hilfreichen Tipp auf den Weg mitgeben, wie man mit der Trennung am besten zurechtkommt und die Partnerschaft friedvoll in der Vergangenheit ruhen lassen kann.

Die 4 Phasen der Trennung nach einer Beziehungen

1. Die „Nicht-Wahrhaben-Wollen“-Phase

Der geliebte Mensch ist plötzlich weg. Wir sind geschockt, wie erstarrt und innerlich total aufgewühlt. Wir können es gar nicht glauben und wollen es nicht wahrhaben. Wir glauben eher, dass der Ex-Partner es sich noch mal anders überlegt und klammern uns an jede Hoffnung, ihn vielleicht doch noch zurück zu gewinnen. Dennoch müssen wir mit der neuen Situation klarkommen: Der geliebte Partner, das gemeinsame Leben, die gemeinsamen Freunde und die Zukunftsträume sind von einem auf den anderen Tag weg. Wir können uns gar nicht vorstellen, dass wir je wieder aus dem tiefen Loch kommen und wieder glücklich werden.

Das hilft: Eingestehen, dass die Partnerschaft vorbei ist; sich Freunden und der Familie anvertrauen; viel reden, sich so gut es geht ablenken; Gefühle fühlen und annehmen, dass es ist, wie es ist; Kontaktmöglickkeiten zum Ex-Partner unterbinden (Facebook, gleiche Restuarants, gemeinsame Freunde …)

2. Die Gefühlschaos-Phase

Nach dem man erkennt, dass die Beziehung wirklich vorbei ist, fällt man oft nochmal in ein neues Loch. Denn jetzt ist die Trennung real und man hat die unterschiedlichsten Gefühle: Trauer, Wut, Schmerz, Hoffnung oder Hoffnungslosigkeit. Wir glauben diesen Gefühlen vollständig und für immer ausgeliefert zu sein und fühlen uns, als hätten wir den Boden komplett unter den Füßen verloren. Doch auch diese Phase – häufig ist sie die längste – geht vorbei, Garantiert!

Das hilft: Akzeptieren, dass es so ist, wie es ist und dabei Gefühle leben und nicht unterdrücken nach dem Motto: “was raus muss, muss raus!”. Mit Freunden oder der Familie reden oder die eigenen Gedanken in einem Tagebuch festhalten. Oft hat man dabei plötzlich das Gefühl am liebsten dem Ex-Partner all das sagen zu wollen. Das kann man auch: Einfach einen oder mehrere Briefe an den Ex-Partner schreiben, in denen alle Gefühle und Gedanken ausgedrückt werden – aber: ohne diese dann letztendlich abzusenden. Das hilft sehr gut bei der Verarbeitung von Gefühlen. Das Gedankenkarusell wird unterbrochen und über das Schreiben erlangt man eine Klarheit über bisher Konfuses!

In der Trennungsphase kann es zudem hilfreich sein, sich die verschiedenen Gefühle dem Ex-Partner gegenüber zu erlauben: Häufig Wut & Vorwürfe sowie Sehnsucht & Liebe. Erlaube beiden Seiten dazu sein, je mehr Kampf gegen diese Realität, desto mehr kämpfen die Gefühle dagegen an.

Könnte die Trennung auch einen Sinn haben?

In allen Trennungsphasen ist es meist schwer vorstellbar, einen Sinn in dem Ganzen zu sehen. Das ist normal und es ist wichtig zu trauern und die Gefühle nicht zu unterdrücken. Doch nach gewisser Zeit – häufig nach Jahren – wird viele Menschen bewusst, dass die Trennung oder Scheidung auch ihr Gutes hatte und erkennen nun einen Sinn darin. Typische Sätze, welche ich von meinen Klienten höre, sind zum Beispiel:

  • Erst nach der Trennung habe ich erkannt, dass ich mich in der Beziehung völlig aufgegeben hatte. Im Nachhinein bin ich froh, dass es so gekommen ist, da ich dadurch gelernt habe, auf mich zu achten und meine Bedürfnisse zu spüren.
  • Dadurch, dass ich wieder Single war, hatte ich die Möglichkeit meinen heutigen Mann kennenzulernen – und jetzt haben wir zusammen Kinder.
  • Durch die Trennung (welche wirklich hart war und welche ich nicht noch mal erleben möchte) habe ich den größten Sprung in meiner Persönlichkeitsentwicklung gemacht.

Mein Tipp, wenn die schwierigste Phase vorbei ist: Das Zulassen von Gedanken, dass die Trennung vielleicht einen Sinn gehabt haben kann: „Was könnte das bei mir sein?„, „Welche guten Dingen werden mir erst jetzt durch die Trennung möglich?“ oder „Was kann ich Negatives zurücklassen?“. Und wenn ihr den Gedanken (noch) nicht zulassen könnt, lasst ihn einfach weg!

3. Die Neuorientierungs-Phase

In der dritten Phase nehmen wir unser Leben wieder aktiver in die Hand und sehen eine Zukunftsperspektive. Ganz langsam wird die Distanz zum Ex-Partner spürbar und die Momente, in welchen wir nicht an ihn denken werden immer länger und öfter. Und wenn wir an ihn denken, zieht es einen nicht automatisch in die Trauer und Schwere. Wir haben mehr und mehr Energie für Neues, entdecken verborgene Potentiale, lernen neue Menschen kennen und gehen langsam mehr und mehr unseren eigenen Weg.

Das hilft: Offen für Neues sein; Dinge anpacken, welche bisher und vor allem mit dem Partner nicht möglich waren; aufkommende Gefühle zulassen, Erkennen, was die Trennung auch Gutes ermöglicht hat.


4. Die „Auf zu neuen Ufern“-Phase

Wir haben es geschafft! Die Ex-Partnerschaft können wir in der Vergangenheit lassen und uns freuen, dass wir diese Zeit gut überstanden haben und daran gewachsen sind! Nun haben wir immer häufiger das Gefühl, dass es richtig war, wie alles gekommen ist und fühlen uns erfahrener und stärker.

Das hilft: Jede glückliche Minute genießen! Zudem kann mit dem gewonnenen Abstand die Beziehung besser reflektiert werden und man erkennt immer mehr, was man daraus über sich selbst und das eigene Verhalten in Beziehnungen gelernt hat.

Was nach einer Trennung langfristig am meisten hilft

Nach dem Durchlaufen der Trennungsphasen gibt es ein Gefühl, welches hilft, die Ex-Partnerschaft im Guten in der Vergangenheit liegen zu lassen: Dankbarkeit! Ziel ist es nicht, die Dankbarkeit sofort nach der Trennung zu spüren, sondern nach Monaten oder Jahren. Ihr fragt euch jetzt vielleicht „Was, Dankbarkeit? Soll ich meinem Ex-Partner dankbar sein?„. Warum hilft das? Alle anderen Gefühle wie Enttäuschung, Ärger oder Wut führen bewusst und unbewusst dazu, am Ex-Partner hängen zu bleiben und die Beziehung nicht wirklich abschließen zu können.

Die innere Haltung „Ich danke dir für die gemeinsame Zeit und Erlebnisse, die Dinge, welche ich dir geben durfte und welche ich von dir erhalten habe!“ hilft sich vollständig und friedlich von der Beziehung zu lösen. Gerade auch dann, wenn die Beziehung und Trennung konfliktreich und schwierig war! Wenn ihr es schafft, dankbar für die gemeinsame Zeit zu sein und die vielen Erfahrungen zu schätzen, welche euch und euer Leben reicher gemacht haben – werdet ihr wieder frei! Für euch selbst und für einen neuen Partner!


Literaturempfehlungen

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