Kennst du das? Dich überkommt ein bestimmtes, negatives Gefühl und du möchtest diese Gefühlswelt möglichst schnell wieder verlassen.

  • Vielleicht bist du todtraurig, weil dich dein Partner verlassen hat.
  • Oder bist wütend, weil dein Chef deinen schmierigen Kollegen befördert hat und nicht dich.
  • Oder du fühlst dich hilflos, weil sich dein Partner in eine jüngere Frau verliebt hat und sich trennt – vielleicht. Diese Unsicherheit und Ohnmacht beherrscht alles und legt sich wie ein Schleier über dich und du weißt nicht, wie es weitergehen soll.

Egal welches „unangenehme“ Gefühl vorhanden ist, meist bewirkt unsere Abwehrstrategie dieses Gefühl loszuwerden genau das Gegenteil! Warum das so ist und wie wir unsere Gefühle zu unseren Freunden machen können, erfährst du in diesem Beitrag.

Warum bleiben bestimmte Gefühle so hartnäckig?

Warum können wir sogenannte „negative“ Gefühle nicht loslassen? Warum bleiben sie oft sehr lange präsent? Die Antwort ist einfacher, als man denkt: Weil wir sie nicht wirklich fühlen. Wir erleben beispielsweise Trauer, Wut, Enttäuschung, Ohnmacht, spüren den Druck im Magen und vielleicht weinen wir sogar.

Umgang mit GefühlenDoch dann übergeben wir das Kommando an unseren Verstand, welcher unzählige Strategien hat: Das Gefühl zu bewerten, es wegzudrücken, zu erklären, zu verstehen, zu ignorieren, zu hinterfragen… Die Hoffnung des Verstandes ist es, durch diese und ähnliche Verhaltensweisen die unangenehmen Gefühle zum Erliegen zu bringen.

Gefühle möchten gefühlt werden

Das Kommando hat also der Verstand. Findest du den Fehler? Der Verstand möchte etwas lösen, was nur am Rande mit ihm zu tun hat. Ganz zu schweigen davon, dass er mit seiner Bewertung die Gefühle meist negativ beeinflusst. Die Gefühle wollen vom Verstand jedoch nicht kontrolliert werden! Sie würden viel schneller in den Hintergrund treten, wenn wir die Gefühle fühlen würden. Und uns den dazugehörigen Begleiterscheinungen, wie Weinen, Schreien, Wutaussprüche hingeben – denn Gefühle möchten wahrgenommen werden!

Das Hauptbedürfnis von Gefühlen:
Sie möchten gefühlt werden!

Gefühle sind wie kleine Kinder

Wenn wir Kindern etwas verbieten, dann wollen sie es erst recht haben und entwickeln eine unglaubliche Energie und einen starken Willen bis hin zum Trotz. So machen es auch unsere Gefühle: Wenn wir sie nicht wirklich da sein lassen, dann melden sie sich immer wieder – auch Jahre später -, um uns daran zu erinnern, dass sie etwas von uns brauchen:

  • sie möchten unsere 100%ige Aufmerksamkeit,
  • sie möchten, dass wir sie so sein lassen wie sie sind und
  • sie möchten, dass wir sie wirklich fühlen.

Wenn wir sie vollständig und ehrlich fühlen, dann fühlen sie sich angenommen und treten nach und nach in den Hintergrund. Wie kleine Kinder, denen es vor allem dann gut geht, wenn wir sie so annehmen und sein lassen, wie sie sind. Doch wie auch mit kleinen Kindern, geht es im Umgang mit Gefühlen um das Erleben, Zulassen und immer wieder Üben.

Wie du ins Fühlen kommst

Übe dich darin, deinen Körper zu spüren – insbesondere wenn du gerade ein negatives Gefühl hast. Dazu gibt es viele Zugänge, eine Möglichkeit beschreibe ich hier:

Leg dich ohne Ablenkung ins Bett und beobachte deinen Körper und deine Gefühle und nimm alles ganz bewusst wahr:

  • Spürst du, wie dein Rücken auf dem Bett liegt?
  • Spürst du, wie sich deine Hände anfühlen?
  • Spürst du die Bewegung deines Bauchs, der sich durch das Atmen auf und ab bewegt?
  • Spürst du den Klos im Hals oder die Wut im Bauch?
  • Fühlst du dein Herz?
  • Fühlst du, wie die Trauer (oder ein anderes Gefühl) präsenter und deutlicher wird?

Lass es da sein. Verändere nichts. Beobachte dich. Lass es zu. Und wenn Gedanken kommen, beobachte sie und lasse sie wieder gehen. Am einfachsten, indem du deine Aufmerksamkeit wieder auf deinen Körper lenkst und dich selbst beobachtest.

In der Theorie hört sich das einfacher an, als es in der Praxis wahrscheinlich anfangs ist. Deswegen gilt: Dranbleiben und das Fühlen lernen. Als Kind konntest du es perfekt, bis es uns »abtrainiert« wurde. Übe dies jeden Tag 5 Minuten und du wirst bald eine Veränderung feststellen.

Gefühle haben immer Recht

Du kannst dich nicht ver-fühlen. Du kannst dich ver-laufen oder ver-rechnen. Aber ver-fühlen geht nicht. Es ist „nur“ der Verstand, der bewertet, ob das Gefühl gut oder schlecht ist und ob wir es mögen oder nicht – das Gefühl hat für sich gesehen immer Recht. Sonst wäre es nicht da.

Man kann sich nicht verfühlen.
Das geht nicht!

Wir täten also gut darin, Gefühle nicht zu bewerten, sondern ihren Wert zu schätzen. Für uns selbst, und auch bei anderen. Sie können oft nichts dafür, wie sie sich fühlen, auch wenn es sich für einen selbst „unlogisch“ anfühlt.

Los gehts!? Wann möchtest du beginnen, deine Gefühle wirklich zu fühlen? Wann möchtest du deine Gefühle als Freunde verstehen, die für dich da sind und nicht gegen dich, dir helfen dein Leben besser zu verstehen und Erlebnisse zu verarbeiten, statt gegen dich zu kämpfen?

Literaturempfehlungen

Folgende Bücher kann ich zum Thema Gefühle empfehlen. Beim Klick auf den Link öffnet sich ein neues Fenster zu Amazon.

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2 Kommentare von anderen Leserinnen und Lesern

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  1. nburg

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