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Die vier Weisheiten: Berührende Worte bei Trennung & Krisen

Diesen Text, die 4 Weisheiten genannt, habe ich vor Jahren in einer Zeitschrift gefunden. Er kann uns Halt geben nach einer Trennung, während einer Krise oder nach einem Verlust. Gerade, wenn wir frisch getrennt sind, suchen wir nach Weisheiten, Zitaten und Sprüchen, um den Schock und Verlust besser zu verarbeiten.

Niemand weiß, wer sie verfasst hat. Aber sie sind so alt wie die Zehn Gebote. Und genau wie diese Eckpfeiler des christlichen Glaubens haben die vier Gesetze der Spiritualität das Leben unzähliger Generationen begleitet und geprägt.

Worte der Weisheit, deren Ursprung Historiker in Indien vermuten. Worte, die unser Herz berühren. Klare einfache Botschaften, die noch immer unser Leben positiv beeinflussen können – vorausgesetzt wir sind bereit, uns auf sie einzulassen. Sie zuzulassen.

Weisheit nach Trennung #1: Die Person, die dir begegnet, ist die Richtige

Niemand tritt zufällig in unser Leben. Jeder Mensch, zu dem wir eine Beziehung aufbauen, mit dem wir aufwachsen, mit dem wir uns austauschen, für den wir arbeiten – einfach jeder hat eine bestimmte Bedeutung für uns. Pu der Bär hat das intuitiv erkannt und akzeptiert jedes Mitglied der Waldgemeinschaft. Das ängstliche Ferkel, der leicht depressive Esel I-Aah oder der ungestümen Tiger – sie alle sind seine Wegbegleiter.

Natürlich fällt es uns bei unsympathischen Zeitgenossen verständlicherweise schwer, die positiven Aspekte dieser Verbindung zu sehen. Doch auch sie sind wichtig für unsere weitere Entwicklung. Und gerade unsere größten Widersacher, Angstgegner und jene, die unser Herz brachen, uns verraten haben – genau sie entpuppen sich im Rückblick oft als unsere wertvollsten Lehrmeister.

Denn ihretwegen haben wir zwar die härtesten, dunkelsten Stunden durchlitten, sind an ihnen vielleicht sogar vor Verzweiflung fast zerbrochen, aber sie haben uns gleichzeitig in unserer Entwicklung vorangebracht und uns gezeigt, welch unglaubliche Stärke in uns steckt.

Haben wir die durch sie entfachten Brände gelöscht, unsere Seelen-Krisen überwunden, können wir innerlich gewachsen wie Phönix der Asche entsteigen und mit neuen Erkenntnissen weitergehen.

Dann gibt es noch jene Menschen, die uns auf unserem Weg unterstützen. Sie sind unsere wichtigsten Gefährten. Und zum Schluss sind da noch diejenigen, die wir am stärksten lieben, am meisten brauchen und am entschiedensten abwehren. Das sind unsere Meister – so wie auch wir ihre Meister sind.

Weisheit nach Trennung #2: Das, was passiert, ist das Einzige, was passieren konnte

4 Weisheiten des Lebens

Nichts, absolut nichts von dem, was uns jemals widerfahren ist, hätte anders geschehen sollen. Das gilt für die kleinen Ereignisse genauso wie für die großen. Sogar die schmerzlichen Erlebnisse und all die Stolpersteine unseres Lebens haben von einer höheren Warte aus betrachtet ihre Berechtigung.

Nichts geschieht ohne Grund. Für uns selbst heißt das aber auch: Wir können damit aufhören, uns mit Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen zu quälen. Den Satz »Wenn ich dies oder jenes anders gemacht hätte, dann wäre dieses oder jenes anders geschehen!« können wir aus unserem Repertoire streichen. Nichts, aber auch gar nichts hätte anders laufen können.

Nein! Denn das, was passiert, ist das Einzige, was passieren konnte und passieren musste, damit wir unsere Lektionen lernen. Das ist mitunter bitter, es ist hart und eventuell äußerst schmerzhaft. Aber es ist, wie es ist. Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Außerdem bieten uns unsere Fehler, unser Scheitern, unser Versagen die Chance, zu wachsen und zu lernen. Sie sind notwendig, damit wir erkennen und uns erinnern, wer wir wirklich sind.

Vor diesem Hintergrund ist jede Situation, jedes scheinbar noch so unbedeutende Detail genau richtig – auch wenn sich unser Verstand dagegen wehrt und sich weigert, dies zu akzeptieren. Unser Ego will Rache, wir mögen vor Wut kochen – alles in uns mag schreien: Das kann nicht wahr sein! Wenn wir nichts mehr verstehen, zusammenzubrechen drohen, kann uns nur die Weisheit unseres Herzens heilen. Vollständiges Annehmen, Hingabe und Demut helfen uns, weiterzugehen. Vertrauen zu schöpfen, dass wir auch diese Lektion des Lebens meistern werden.

Und letztendlich führen sie alle zu der Erkenntnis, dass wir selbst für unsere Reaktionen auf das, was uns geschieht, verantwortlich sind. Wir sind die Heilung, auf die wir warten.

Weisheit nach Trennung #3: Jeder Moment, in dem etwas beginnt, ist der richtige Moment

Alles beginnt genau im richtigen Moment, nicht früher und nicht später – somit auch niemals zu früh und niemals zu spät. Unser zur Ungeduld neigender Geist rebelliert nicht selten heftig gegen dieses Gesetz. In der Tat scheint es manchmal unendlich lange zu dauern, bis das, worauf wir so sehnlich warten, endlich beginnt.

In Wahrheit ist es so, sobald wir innerlich dazu bereit sind, etwas Neues in unserem Leben zu empfangen, ist dies bereits auf dem Weg zu uns. Der Lehrer, den wir brauchen, wird unseren Weg kreuzen, wenn wir von unserer Entwicklung so weit sind, ihn auch als solchen zu erkennen.

Die so innig herbeigewünschte Liebe begegnet uns in dem Augenblick, in dem unser Herz offen ist. Alles beginnt bereits mit unseren innersten Entscheidungen – ob wir uns dieser Tatsache nun bewusst sind oder nicht. Alles beginnt und endet durch uns. Wir gestalten unser Schicksal selbst.

Und in dem Moment, in dem wir dies akzeptieren, werden wir frei – und können gelassen im Jetzt bleiben. Wir hören auf zu warten und Dramen zu inszenieren. Wir verharren geduldig in innerem Frieden. Und verspüren dabei sogar Glück.

Weisheit nach Trennung #4: Was zu Ende ist, ist zu Ende

Lebensweisheiten

Das Gesetz ist in seiner Schlichtheit das wahrscheinlich am härtesten zu ertragende. Und dennoch das, was uns den Weg ins Glück zeigt. Denn das können wir erst finden, wenn wir bereit sind, loszulassen. Aber wie oft weigern wir uns, ein Ende anzunehmen?

Wir widersetzen uns, kämpfen verzweifelt um etwas, das längst vorbei ist. Wenn etwas endet, geschieht auch dies, um uns in unserer Entwicklung zu fördern. Mitgefühl, Vertrauen, Hingabe – all diese Lektionen bringt uns dieses letzte Gesetz näher. So schwer es uns auch fallen mag, loszulassen, so ist dies doch die einzige Möglichkeit, Platz für Neues zu schaffen.

Wir müssen vertrauensvoll vorwärts gehen, damit wir mit neuen Erfahrungen beschenkt werden können. Erfahrungen, die uns andere Sichtweisen ermöglichen, uns beglückende Erkenntnisse verschaffen. Wenn wir unserem eigenen Stern hoffnungsvoll folgen, obwohl wir einen schmerzhaften Abschied hinter uns haben, signalisiert das wahre Hingabe an das Leben in all seiner Vielfalt.

Unser Weg geht weiter. Solange wir bereit sind, ihm zu folgen, ohne zu wissen, wohin er uns führen wird, werden wir wachsen. Über uns selbst hinaus. Wir werden zu Grenzgängern. Zu Kriegern des Lichts. Und zu Glücksrittern.

Ich kenne Menschen, die mit diesem Text wenig anfangen können, für andere ist er sehr berührend, tröstend und inspirierend zugleich. Insbesondere nach einer Trennung schenke und diese Weisheiten viel.

Was löst er in dir aus? Teile gerne deine Meinung in den Kommentaren unten.

Wieland Stolzenburg

Wieland Stolzenburg ist Beziehungspsychologe und Bestseller-Autor aus München. Er unterstützt Menschen dabei, erfüllende Beziehungen zu führen, Bindungs- und Verlustängste zu überwinden und Trennungen zu verarbeiten. Wieland ist häufiger Interview-Gast in ARD, ZDF, Stern oder FOCUS Online. > Mehr über Wieland

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Dieser Beitrag hat 16 Kommentare

  1. Sabrina

    Hallo Wieland,
    Das Trennungen zum Leben dazugehören, mag stimmen. Doch das was mir passiert ist, wünsche ich nicht mal meinem schlimmsten Feind. Ich verliebte mich 2018 in einen Mann. Es fühlte sich an, als hätte ich endlich den richtigen gefunden. Doch obwohl er mir zuerst gestand, dass er verliebt in mich ist und alles tat um mich für sich zu gewinnen, stieß er mich von sich, als auch ich Gefühle für ihn hatte. Dieser Moment änderte mein ganzes Leben. Ich erlitt 2019 einen Zusammenbruch und vergaß kurzzeitig mein ganzes Leben….ich sagte Mama Papa ich hab euch lieb, danach waren meine einstigen stahlblauen Augen leer und seitdem kann ich nicht arbeiten. Weil immer noch viele Erinnerungen an mein Leben fehlen, verliere ich dadurch jetzt auch meinen langjährigen Job. Seitdem kümmert sich mein Ex Partner so gut es geht um mich. Vor dem Zusammenbruch führte ich ein gutes Leben, war erfolgreich in meinem Job, hatte einige Krisen überstanden und hatte trotzdem mein Strahlen nicht verloren. Nun ist jeder Tag ein Kampf für mich. Freunde und auch ein Teil der Familie haben sich von mir abgewandt, generell kommt meine Familie sehr schwer mit meiner Situation zurecht. Falls sie dafür eine plausible Erklärung haben, bin ich sehr gespannt.

  2. Angelika

    Mir geht es ähnlich wie T.T. Mein Freund hat mich völlig unerwartet verlassen. Die wahren Gründe dafür hat er mir nicht verraten. Er spricht einfach nicht mehr mit mir. Es gab nichtmal eine Nichtiggkeit. Ich könnte nicht sagen, dass dies genau zum richtigen Zeitpunkt geschah, kurz vor meinem 60sten Geburtstag. Und welche Lehren soll ich daraus ziehen, wenn ich nicht mal weiß warum? Ich finde es nicht so falsch, um etwas zu kämpfen. In diesem Text klingt es aber so, als hätte kämpfen keinen Sinn. Ich hätte gern um unsere Beziehung gekämpft. Welchen Sinn soll es denn haben, Platz für neues zu schaffen, wenn man dann das neue auch nicht behalten darf. Als ich meinen Freund vor fünf Jahren kennen gelernt habe, war ich frei für neues. Meine Tochter war erwachsen. Ich hatte mehr Freiräume für mich. Er hat auch super zu mir gepasst. Vier Jahre und drei Monate alles gut. Und dann legt einer den berühmten Schalter um, und verschwindet ohne etwas zu sagen.
    Jetzt, neun Monate später, bin ich noch nicht ansatzweise darüber hinweg. Ich habe keinen Mut mehr für neue Lektionen.

  3. Rene

    Lieber Wieland,

    ich habe dein Buch „Trennung überwinden“ jetzt schon mehrfach durchgelesen. Viele interessante Sichtweisen und Ratschläge konnte ich dort finden. Insgesamt erinnert mich jedoch vieles an den Herrn Pangloss aus „Candide oder der Optimismus“ von Voltaire, der auch immer von der „besten aller Welten“ schwärmt. Es ist aber nicht alles in jedem Moment richtig und man trifft auch nicht immer den in diesem Moment richtigen Partner, sondern es kann sein, dass man einen Augenblick später den richtigen gefunden hätte, wenn man sich nicht schon vorher mit dem anderen verbunden hätte. Auch hat nicht alles seinen Grund und Sinn. Es ist wie bei einem Meteoriteneinschlag. Wäre man nicht zufälligerweise an diesen Ort gestanden, hätte es einen nicht getroffen. Meine Frau hat mich nach 22 Jahren verlassen und nach einer so langen Zeit, kann jeder Partner Gründe finden, um eine Beziehung zu beenden, auch wenn sie eventuell schon 15 oder 20 Jahre zurückliegen. Oft hat man sich in Beziehungsscharmützel verheddert, deren Sinnlosigkeit einem erst nach der Trennung aufgehen. Eine Trennung nach so langer Zeit ist einfach nur grausam.

    Rene

    1. Hallo Rene, vielen Dank für deinen Kommentar und dein Feedback zu meinem Buch. Spannende Sicht, die du hast. Ich glaube, dass es zum Thema „Alles hat seinen Sinn“ nicht die eine richtige Antwort gibt, jeder findet seinen persönlichen Umgang damit. Ich verstehe deine Sicht. Meine ist persönlich dennoch eine andere :) Und ja: Eine Trennung ist trotzdem grausam!
      Viele Grüße Wieland

  4. Marion

    Danke, hilfreiche Worte nach einer Trennung!
    Schöne Weisheiten und Hilfen.

  5. Melanie

    Lieber Wieland, ich frage mich ständig, woher dieses Gefühl der nagenden Unzufriedenheit mit meinen Partnern und die Zweifel an der Beziehung kommen. Konkret frage ich mich häufig, ob es da nicht noch jemanden gibt, der mich besser verstehen könnte und mit dem die Beziehung schöner und erfüllender wäre. Der mich mehr liebt, mit dem ich mehr gemeinsame Interessen und Ansichten teile, der mich geistig und körperlich mehr erfüllt. Ich suche keinen Partner der mich vervollständigt, aber ich frage mich ständig woher ich weiß, dass das der Eine, der Richtige ist.. Ich war elf Jahre in einer Beziehung mit einem tollen Mann und ich habe mich häufig gefragt, ob es da noch jemand besseren für mich geben könnte.. Ich habe drei Heiratsanträge bekommen und erst beim dritten ja gesagt. Wir waren dann sechs Jahre verlobt und haben nicht geheiratet, auch weil ich ständig unsicher war.. unsicher, ob ich nicht doch besser Single sein sollte.. warum sind eigentlich alle so verdammt zufrieden in ihren zum sterben langweiligen Beziehungen??! Während ich nicht mal schaffe mit einem interessanten, intelligenten, attraktiven, sportlichen Topmanager eine glückliche Beziehung zu führen?? Jedenfalls bin ich nach der Trennung fünf Monate später wieder in einer Beziehung und die selben quälenden Zweifel verfolgen mich nach nur drei Monaten glücklicher Beziehung.. es ist so ermüdend sich ständig zu Fragen, ob man sich trennen sollte, oder bei seinem Partner bleibt.. Was stimmt eigentlich nicht mit mir??? Finanziell bin ich keinesfalls abhängig von meinen Partnern, sondern habe selber studiert und einen guten Verdienst.. liegt es vielleicht daran, dass ich häufig denke, ich brauche eigentlich niemanden.. Sollte ich eine Persönlichkeitstherapie machen? Langsam verhärtet sich mein Verdacht, da ich jetzt schon 39Jahre alt bin: ich werde es wohl nie schaffen zu heiraten und Kinder mit jemandem zu kriegen, da ich anscheinend nicht in der Lage bin eine erfüllende und harmonische und glückliche Beziehung zu führen :-(

    1. Hallo Melanie, danke für deinen ausführlichen Beitrag!
      Meine Erfahrung ist die, dass wenn sich Dinge wiederholen (und das scheint ja bei dir so zu sein), das es immer sehr viel mit uns, und unserer eigenen Lebensgeschichte zu tun hat. Das ist nicht immer leicht, sofort die Parallele und Ursachen zu finden. Und da ich ja auch nur einen kleinen Ausschnitt von deiner Geschichte kenne, kann ich gar nicht so viel im Detail dazu sagen. Wenn du Lust hast, lies doch mal mein Buch Beziehungsleben, darin begleite ich genau Menschen zu dieser Frage, diese Parallelen zu entdecken und zu verändern.

      Denn das Schöne an dir ist ja, dass du die Offenheit hast und das Interesse, dich selbst besser zu verstehen und zu schauen, was eigentlich die Hintergründe von deinem Verhalten und deinen Gefühlen in Beziehungen sind.

      Ich denke also, dass bei dir alles stimmt, nur das du vielleicht Erfahrungen gemacht hast, die dazu führen, dass dein Verhalten aktuell noch so mehr Sinn macht, als andersherum. Ich hoffe, du verstehst was ich damit meine und wünsch dir einen schönen Abend!
      Viele Grüße von Wieland

  6. Andrea

    Lieber Wieland,
    ich empfinde tiefe Dankbarkeit beim Lesen deiner Texte. Seit 20 Monaten begleitest du mich durch die Trennung meiner Ehe nach 33 Jahren. Ich fühle mich mittlerweile gut und kann sagen, dass ich gestärkt bin durch diese Erfahrung. Ich habe unser gemeinsames Hobby, unsere gemeinsame Wohnung verkauft und bin in eine andere Stadt gezogen. Ich habe sozusagen mein altes Leben hinter mir gelassen. Immer mit vielen Tränen, aber sie werden weniger. Durch den ständigen Kontakt zu meinem Mann, definitiv durch organisatorischen Dinge, konnten die Wunden nicht heilen, sondern brachen immer wieder auf. Nun ist es so, dass ich seit drei Monaten keinen Kontakt mehr zu meinem Mann habe. Das ist so befreiend und endlich ich komme aus meinem Schneckenhaus heraus und lerne Menschen kennen einfach so- und noch fühlt es sich ungewohnt an. Es ist noch nicht alles gut, aber es ist besser. Ich bin gewachsen. Du, lieber Wieland, bist ein Mutmacher und hast wesentlich dazu beigetragen. Herzliche Dankesgrüße Andrea

    1. Liebe Andrea, vielen Dank für deine Nachricht, das freut mich sehr zu lesen! Schön, dass dich meine Texte unterstützt haben. Es klingt toll, welche Schritte du machst und wie du deinen Weg gehst! Alles Gute dabei und viele Grüße, Wieland

  7. Nina

    Liebe Ilka
    Herzlichen Dank für Deinen Beitrag, er berührt mich und hilft mir sehr!
    Herzliche Grüsse,
    Nina

  8. Helga

    Ich stehe gerade an einem Punkt in meiner Beziehung zu einem Menschen, an dem ich bereits mehrere Male gestanden habe. Jedes Mal war ich entsetzt und verzweifelt, zugleich voller Angst und voller Zweifel. Zweifel über das, was die Zukunft bringt, über das, was ich will, über das, was richtig und falsch wäre. Weil ich mich von meinen Gefühlen nahezu erstickt fühlte – unfähig an meinem Alltagsleben weiter teilzunehmen, unfähig, meine Ängste und Herzschläge noch stärker oder länger zu ertragen. Jedes Mal fühlte ich Angst, Entsetzen und Unsicherheit. Doch diesmal weiß ich, dass ich nach diesen Malen nie wirklich Frieden finden konnte, obwohl ich die angsteinflößende Situation mehrfach geschafft hatte abzuwenden und zu beenden. Ich wusste immer, dass ich nie wikliches Vertrauen hatte, denn am Ende kämen immer starke Angst, Zweifel und viele schmerzvolle Herzschläge. Ich konnte also nie wirkliche Sicherheit erlangen, leben, spüren. Jetzt verstehe ich, warum ich wieder an diesem Punkt bin. Doch jetzt ist mir die Problematik mehr bewusst und ich habe verstanden, dass ich mich meiner Angst stellen muss, die auf der anderen Seite befindliche Schreck-Wahrheit annehmen und zulassen muss. Dass ich das Alte zurücklassen, loslassen musste. Weil es mir keine Sicherheit, kein Vertrauen, keine Harmonie gab. Und so kam es, dass ich den Weg auf diese Seite gefunden habe und anfange mich wieder daran zu erinnern, was ich fast vergessen hätte. An mich, an Naturgesetze und vor allem daran, dass ich loslassen muss. Ich muss lernen loszulassen. Das gestern, das morgen, das Alte, den Schmerz. Denn ich habe in letzter Zeit sehr deutlich gespürt, dass ich unfrei war, schwermütig, belastet. Und jetzt musste es sein, dass es seinen Höhepunkt hat. Und ich lerne es anzunehmen. Schritt für Schritt.

    1. Hallo Helga, vielen Dank, dass du uns an deinen Gedanken und Erlebnissen teilnehmen lässt. Das klingt nach wichtigen Erkenntnissen für dich, das freut mich!
      Viele Grüße Wieland

  9. T.T.

    Ich werde in einem Monat 50, habe zwei gescheiterte Ehen hinter mir und meine sonstigen Beziehungen waren entweder oberflächlich oder von vornherein unpassend. Alles in allem ist mein gesamtes Beziehungsleben geprägt von Enttäuschung und Schmerz. Vor 1,5 Jahren habe ich meinen Traummann kennen gelernt – dachte ich. Er hat mich vor einer Woche wegen einer Nichtigkeit von jetzt auf gleich verlassen und auch wenn ich vermute, dass er narzisstische Anteile in sich trägt (darauf bin ich durch Zufall gekommen – Gott sei Dank), raubt es mir nicht nur den Atem und die Hoffnung auf einen verlässlichen Partner, sondern nimmt mir auch jeglichen Glauben an irgendeine übergeordnete Macht, die es gut mit mir meint. Ich bin fast weniger wütend auf meinen Partner, als viel mehr auf das Leben. Mein Bedarf an Erfahrungen und Lernaufgaben ist mehr als gedeckt, auf gut deutsch, ich habe es sooo satt!!!
    Ja und deshalb kann ich diesen spirituellen Weisheiten (im Augenblick) nichts (mehr) abgewinnen… Für wen oder was soll ich noch lernen und mich weiterentwickeln, ich will doch einfach nur den Rest meines Lebens zufrieden und ein bisschen glücklich sein und brauche am Ende meines Daseins keine imaginäre Urkunde über eine lange Liste von gemeisterten bitteren Erfahrungen, die mir eventuell Zutritt auf eine höhere Bewusstseinsstufe oder in den nächsten Weisheitslevel verschaffen. Wem soll das was nützen??
    Ihr seht, ich bin neben meiner Enttäuschung und Trauer voller Wut…

    1. Hallo T, vielen Dank für offenen Worte. Ich kann deine Enttäuschung gut nachvollziehen und du hast Recht: Es braucht Zeit, bis all die Gefühle gefühlt und ausgedrückt wurden – und erst dann ändert sich der Blick auf viele Themen. Manche Menschen spricht dann dieser Text an, andere nicht. Was dir der Text nützen könnte, kannst du nur selbst beurteilen – und wenn er die nichts nützen, dann ist das völlig in Ordnung. Alles Gute für Dich, Wieland

    2. Ilka

      Liebe T.T.,
      auch wenn du dies wahrscheinlich nicht mehr lesen wirst, so könnte es vielleicht doch anderen Menschen weiterhelfen:
      Ich frage mich, warum du überhaupt für dich oberflächliche und unpassende Beziehungen eingegangen bist, die dich ja nur enttäuschen und schmerzen konnten, wenn du nicht gerade zu der Zeit oberflächliche und unpassende Beziehungen wolltest?
      Zu deiner Aussage, dass dein Traummann dich wegen einer Nichtigkeit verlassen hat, wäre zuklären, was für dich eine Nichtigkeit ist und ob diese Sache für ihn vielleicht keine Nichtigkeit war? – Denn was vielen Menschen, jedenfalls denen in unserem Alter, nicht bewusst ist, ist die Tatsache, dass wir alle aus unterschiedlichen Welten stammen, wobei mit Welten unsere Herkunft gemeint ist: unsere Erziehung, unser soziales Umfeld, das, was wir durch unsere Bezugspersonen gelernt haben, und auch die Veranlagungen, die wir mit unseren Genen mitgebracht haben. Hierin sind alle Menschen einzigartig, denn keiner hat aus dieser rießigen Auswahl an Möglichkeiten die gleiche Konstellation. Und daher können wir z.B. oft nicht nachvollziehen, warum jemand anders denkt oder handelt als wir es tun würden. Ein Beispiel aus meinem Leben: Ich konnte sehr lange Zeit meinem Mann nicht verzeihen, dass er mich zuerst von einem Studium abgehalten und später auch finanziell nicht unterstützt hat, damit ich mir ein Geschäft aufbauen kann. – Erst viele Jahre später, nach unserer Trennung, wurde mir bewusst, dass er einfach keine Notwendigkeit gesehen hat, dass ich mir ein Geschäft aufbaue, da es uns gut ging und wir alles hatten, was wir brauchten. Zudem kam, dass seine Eltern Selbständige waren und er schon als Jugendlicher viel mitarbeiten musste und auf so etwas einfach keine Lust mehr hatte. – Mein Anteil daran war, dass ich ihm nicht ausführlich genug erklärt hatte, wie wichtig mir diese Selbständigkeit ist und vor allem war mir selbst nicht bewusst, warum ich unbedingt selbständig und nicht angestellt sein wollte. – Das heißt: Es ist auch sehr wichtig, sich selbst zu kennen und auch das ist etwas, was in unserer Generation, oder zumindest in der sozialen Schicht, in der ich aufgewachsen bin, einfach kein Thema war.

      Und dennoch hat mein bisheriges Leben mich weit gebracht, wie ich finde. Es ist genau so, wie Herr Stolzenburg, und nicht er alleine, das formuliert: Wenn wir es wollen und akzeptieren, wachsen wir an allem was uns begegnet. Dazu musst du nicht an eine übergeordnete Macht glauben, denn diese Entwicklung machst du für dich, nur für dich! Wenn du schreibst, du willst doch nur für den Rest deines Lebens zufrieden und ein bisschen glücklich sein, dann ist das Wachsen an all dem was dir begegnet genau der Weg dorthin!

      Ich wünsche dir und allen die dies lesen viele Erkenntnisse…

      Ilka

      1. Danke für deine wertvollen Gedanken Ilka, das trifft es schön auf den Punkt! Alles Liebe, Wieland